Bäriges Vorhaben : Tauziehen um Knut

Eine Initiative sammelt weltweit Unterschriften, damit Knut in Berlin bleibt: Daniel Libeskind hat unterzeichnet, Klaus Wowereit hält sich zurück.

Annette Kögel
Knut
Kunt soll Berliner bleiben. -Foto. Engler

Knut soll in Berlin bleiben. Das wünscht sich jedenfalls die von der Zehlendorferin Doris Webb gegründete Initiative „Knut forever in Berlin“. Für sie unterzeichnen Tierfreunde aus aller Welt die Listen für den Verbleib des Eisbären in der Hauptstadt. „Wir freuen uns sehr über die Resonanz“, sagt die 65-jährige ehemalige Charité-Mitarbeiterin, „auch der Architekt Daniel Libeskind und der Stuttgarter Oberbürgermeister haben unterschrieben.“ Aus Kanada, Japan, Taiwan und Amerika kommt Post. Die Lobbyisten wollen die Unterschriften bald dem Zoo übergeben – bislang sind es 5000.

Auch als mittlerweile ziemlich groß gewachsener Bär bliebe Knut in den Herzen der Menschen, hatten Berlins Stadtvermarkter von der BTM vorausgesagt. Die vielen Zugriffe und Eintragungen, Video- und Fototauschbörsen, Collagen und Fanzine-Autoren auf den RBB–Knut-Blog-Seiten bestätigen das. Doris Webb berichtet davon, dass Knut-Anhänger in ganz Deutschland Unterschriftenlisten etwa in Drogeriemärkten und Postfilialen auslegen. „Viele Tierfreunde sammeln auch privat Unterschriften, etwa bei Geburtstagsfeiern.“

Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit ließ der Initiative jetzt über seinen Referenten einen sympathisierenden Gruß ausrichten. Eindeutig festlegen will sich Wowereit aber beim Knut-Votum nicht. „Unser Eisbär Knut ist für Berlin zu einer der wichtigsten Sehenswürdigkeiten geworden“, heißt es in dem auf Bitten Klaus Wowereits formulierten Schreiben aus der Senatskanzlei. Dem Regierenden sei „das Wohlbefinden von Knut wichtig und auch seine Bedeutung sowohl für die Berlinerinnen und Berliner als auch für Berlin bewusst“ – wie auch die Funktion als Klimaschutz-Symboltier. Der Regierende habe aber „nur geringe Möglichkeiten“, auf einen Verbleib Einfluss zu nehmen, heißt es in dem Schreiben. Das Land halte nur eine Aktie an der Berliner Zoologischen Garten AG. Weiter heißt es: „Wir alle hoffen, dass wir noch viele Jahre einen glücklichen Knut in unserer Hauptstadt Berlin beherbergen können.“

Doch noch drehen sich die Entscheider im Kreis. Zoochef Bernhard Blaszkiewitz sagte jetzt zwar erstmalig, von ihm aus könne der Bär bleiben. Doch bevor nicht dessen Eigentümer, der Zoo Neumünster, entschieden habe, wohin der Bär zur Zucht kommen solle, sei der dann nötige, ab neun Millionen Euro teure Gehegeneubau in Berlin unsinnig. Peter Drüwa, Neumünsters Zoochef, sagt hingegen, er haben für Absprachen noch keine Reaktion aus Berlin. Der zuletzt vom Zoo genannte frühestmögliche Abgabetermin für Knut ist Ende Mai nach der Bonner Artenschutzkonferenz.

Ebenso ist nach über einem Jahr Verhandlungszeit noch nichts über einen internationalen Knut-Kinofilm entschieden. Am großen Eisbärengehege hängen jetzt wieder zweisprachige Wegweiser zu Knut – viele Berlin-Besucher landeten zuletzt auf der Suche nach dem prominenten Eisbären vor dem falschen Gehege. Doris Webb: „Touristen fragten immer, welcher der drei großen Bären Lars, Katjuscha und Tosca denn Knut sei.“ Doch der lebt um die Ecke.Annette Kögel

Die Unterschriftenaktion im Internet:

www.aktion-knut-forever-in-berlin.de

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