Umzug : Eisbär Knut - ein Schwedenhappen?

EU-Zuchtexperte Hans van Weerd spricht von einem Umzug Knuts nach Skandinavien. Der Zoo in Neumünster, dem Knut gehört, will aber, dass der Bär in Berlin bleibt.

Annette Kögel
Knut
Unzählige Zoos sind inzwischen scharf auf Eisbär Knut. -Foto: ddp

Eisbär Knut könnte bald in die Nachbarschaft von Rentieren und Polarfüchsen ziehen: Der für das europäische Eisbären-Zuchtprogramm zuständige Experte Hans van Weerd aus den Niederlanden hat unter anderem den Bärenpark Orsa in Schweden als potenzielle Heimat für das in rund zwei Jahren zeugungsfähige Eisbärenmännchen ausfindig gemacht. Dorthin könnte ihn dann beispielsweise das holländische Eisbärenweibchen Ewa begleiten. Allerdings ist van Weerd als Zuchtkoordinator nur Berater – das letzte Wort zu Knuts neuer Heimat hat der Tierpark Neumünster, dem der Bär gehört.

Nicht nur der „Orsa Bearpark“ will Knut: Die Zoo-Erlebniswelt Gelsenkirchen lockt mit Eisbärin Lara, und San Francisco in Kalifornien hat ebenso Interesse am tierischen Medienstar wie unzählige andere Tierparks in aller Welt. Die Masse der Bewerber macht deutlich, wie populär der ins Teeniealter gekommene Bär weiterhin ist – dennoch freut sich nicht jeder darüber. Wie Zoo-Dauergast Doris Webb aus Zehlendorf, Begründerin der Initiative „Knut forever in Berlin“. Die Knut-Fans haben in aller Welt schon mehr als 11 000 Unterschriften für den Verbleib des Eisbären in der Stadt gesammelt. Nach Auskunft der 65-jährigen Tierfreundin haben auch Architekt Daniel Libeskind und Stuttgarts Oberbürgermeister unterschrieben – sowie Knut-Fans aus Kanada, Japan, Taiwan und Amerika.

Während sich alle um den Starbären reißen, vollführen der Tierpark Neumünster und der Zoo Berlin weiter einen Eiertanz. „Mir liegt am Herzen, dass Knut in Berlin bleibt“, sagte Neumünsters Zoochef Peter Drüwa dem Tagesspiegel. Aber nur unter der Voraussetzung, dass es ein – vermutlich neu zu bauendes – Gehege gibt, in dem Knut mit einem Weibchen leben kann. Drüwa: „Wir lassen ihn gerne dort, aber nur, wenn Berlin die Voraussetzungen geschaffen hat.“

Aus Berlins Zoo heißt es wiederum, man werde keine Unterbringungsszenarien entwerfen oder Baumaßnahmen beginnen, ehe es nicht eine eindeutige Entscheidung aus Neumünster für Knut in Berlin gibt. Dann allerdings sei vieles denkbar in Berlin, mit Zoo und Tierpark. „Wenn Knut hierbleiben soll, werden wir es ihm schon schön und hübsch machen“, sagte Zoo-Pressesprecher Detlef Untermann. Ein Gehegeneubau kostet 9 Millionen Euro aufwärts, rechnete Zoo-Direktor Bernhard Blaszkiewitz kürzlich vor. Derzeit klagt Neumünster, wie berichtet, auf Anteile an dem fast Sieben-Millionen-Euro-Gewinn des Zoos aus dem Jahr 2007.

Nun wurde erst mal ein zusätzliches Gitter vor Knuts Gehege installiert – zu viele Besucher hielten ihre Kinder an den Sichtscheiben gefährlich hoch. Spätestens Ende des Jahres muss sein Gehege noch besser gesichert werden, dann könnte Knut den Wassergraben überspringen. Noch spielt er aber mit aller Inbrunst. Peter Drüwa: „Tiere, die sich kreativ beschäftigen, haben meist einen guten Charakter“. Annette Kögel

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