Berliner erfinden fleckfreie Hose : Lizenz zum Kleckern

Das Beinkleid für den ungeschickten Menschen ist erfunden: Die fleckfreie Hose! Dafür bedienten sich Jörg Beckmann und Julian Kea kurzerhand aus der Natur.

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Jörg Beckmann und Julian Kea
Jörg Beckmann und Julian KeaFoto: Tsp/ Mike Wolff

Wer kennt es nicht: Nach dem Essen prangt ein unansehnlicher Saucenfleck auf dem Hosenbein. Zum Umziehen ist keine Zeit und Gelegenheit – wohl oder übel geht es direkt ins nächste Meeting. Bleibt nur die Hoffnung, dass die Kollegen oder gar Kunden den Fleck nicht entdecken. Zwei Berliner wollen Abhilfe schaffen mit einer Hose, die vom Aussehen her businesstauglich ist, aber die Eigenschaften von Funktionskleidung mitbringt. Ob Ketchup, Honig, Kaffee oder Sauce: Alles soll an ihr abperlen.

Und tatsächlich bleiben bei einer kurzen Demonstration mit Ingwertee und Kaffee beide Flüssigkeiten auf dem Stoff stehen. Mit einem einfachen Tuch lassen sie sich aufsaugen, auf der Hose bleibt keine Spur des Malheurs zurück. „Die Fasern sind so aufgerichtet, dass der Lotus-Effekt zum Tragen kommt“, sagt Jörg Beckmann, einer der beiden Macher der „Slik17“ genannten Chino. „Wir haben schon krasse Sachen ausprobiert. Einmal haben wir sogar Wandfarbe draufgeklatscht – kein Problem.“ Beckmann war es auch, der bei Geschäftsreisen vom vielen Gepäck genervt war und sich nach praktischer Beinkleidung sehnte. „Das einzige fehlende Puzzlestück für das schmale Handgepäck war diese Hose“, erzählt er.

Dehnbar und weich wie eine Jogginghose

Beckmann sprach mit Julian Kea, einem Freund aus Studienzeiten, über das Problem. Beide fanden vor drei Jahren keine Lösung auf dem Markt. Also machten sie sich selbst daran. „Wir haben uns erst ein bisschen gesperrt, weil wir nicht noch ein zusätzliches Projekt brauchten“, sagt Beckmann. Er ist Berater für Akustikbau und Marketing, Kea Trainer für Projekt- und Selbstmanagement. Schließlich wurde aus der Idee ein Hobbyprojekt.

Um kein eigenes Geld reinstecken zu müssen, sammelten Beckmann und Kea per Crowdfunding über 10.000 Euro für die Produktion der ersten 100 Hosen. „Damals haben wir noch alle selbst gebügelt, gefaltet und verpackt“, sagt Kea. In einer zweiten Runde verließen Anfang dieses Jahres noch einmal 130 Stück die Näherei. Über ihre Webseite haben die beiden Hosenmacher kürzlich weitere 130 Exemplare direkt verkauft. Die Produktionszeit wurde inzwischen immerhin schon entscheidend verkürzt – von zehn Monaten auf gut vier Wochen.

Die „Slik17“ wird in der Hauptstadtregion genäht. Der Stoff, der keine Falten wirft, kommt von einem Hersteller aus Europa. „Den Lieferanten wollen wir nicht verraten, das ist noch unser Vorsprung“, meint Kea. Ein Patent haben sie nicht angemeldet, es liegt – wenn überhaupt – beim Hersteller des Stoffes. Alles sei nach dem Öko-Tex-100-Standard schadstofffrei, sagt Kea. Ganz bewusst ist die Hose eine Chino im klassischen Schnitt, die lange getragen werden soll. Wie lange? „Sie hält sehr lange, wenn man nicht irgendwo hängen bleibt.“ Und tragen die beiden selbst überhaupt noch andere Hosen? Beckmann: „Ich habe die Hose zwei Jahre durchgetragen.“ Sie sei dehnbar und weich wie eine Jogginghose. Und wenn man sie doch einmal waschen wolle, dann trockne sie auch sehr schnell. „Vor vier Monaten hatte ich aber tatsächlich mal wieder Bock auf eine Five-Pocket-Jeans.“ Kea hingegen sagt, er trage schon noch Jeans, achte jetzt jedoch auch darauf, dass diese dehnbarer sind.

Erfolgreich ohne Werbung

Noch immer verbessern die beiden bei jedem weiteren Produktionsschritt die Logistik und auch die Hose selbst: Matte statt glänzende Knöpfe, ein versiegelter Reißverschluss, bessere Taschenbeutel. „Wir hatten von Mode ja gar keine Ahnung. Komischerweise sagt einem aber auch keiner was, wenn man einkauft.“ Nach und nach geht es nun voran. Eigentlich möchten Beckmann und Kea ihre Chino gerne in den Handel bringen, doch die anfallenden Margen würden den Preis von jetzt knapp 150 Euro noch einmal deutlich erhöhen. Aktive Werbung haben sie bisher auch noch nicht gemacht, dafür berichteten schon viele Medien.

Ein großes Potenzial sehen die Hosenmacher noch in ihrer Idee: in der Gastronomie, der Pflege, bei Kinderkleidung – überall könnte Kleidung begehrt sein, die fleckenfrei bleibt und trotzdem nicht nach Outdoor aussieht. Um ihr Projekt voranzubringen, suchen Beckmann und Kea derzeit einen Investor, damit sie künftig mehr Zeit reinstecken können.

Dieses Stück erschien zuerst im Wirtschaftsmagazin "Köpfe" aus dem Tagesspiegel-Verlag, das Sie hier bekommen können: Tagesspiegel Köpfe bestellen

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