Berliner Unternehmen "Aktiv Schuh" : Mit Hand und Fuß in vierter Generation

Jeder Berliner kennt "Aktiv Schuh", so präsent ist die Marke im Stadtbild. Dahinter steckt ein Familienunternehmen, dessen Geschichte an den Beginn des vergangenen Jahrhunderts zurückführt...

Sabine Hölper
Timo und Hans Leinweber, Maria Carvalho-Leinweber, Marc Leinweber (v.l.) Foto: Mike Wolff
Timo und Hans Leinweber, Maria Carvalho-Leinweber, Marc Leinweber (v.l.)Foto: Mike Wolff

Die Wahl des Schuhwerks bereitet einiges Kopfzerbrechen. Immerhin wird man gleich einer vierköpfigen Jury gegenübersitzen. Oder glaubt jemand ernsthaft, dass Schuhhändler ihrem Gegenüber zuerst auf die Frisur schauen? Nacheinander treffen Maria Carvalho-Leinweber und ihr Mann Hans Leinweber, Timo und sein Bruder Marc Leinweber im Besprechungsraum ein. Als alle sitzen, die Füße unterm Tisch verstaut, bestätigt das Quartett, dass sie selbstverständlich zuerst gucken, welche Schuhe jemand trägt. Die Wahl des Schuhwerks verrate viel über seinen Träger. Außerdem dient der Blick nach unten der Inspiration: Eine Sandale, die sie nicht kennen, aber interessant finden, könnten sie vielleicht ins Sortiment aufnehmen.

Leinweber? Schuhhändler? Es wird einige Berliner geben, die beides nicht zusammenbringen. Der Familienname der Inhaber ist nicht im Firmennamen ersichtlich. Ihr Unternehmen heißt Aktiv Schuh Handelsgesellschaft mbH. Unter dem Dach der Gruppe vereinen die Leinwebers mehrere Einzelhandelskonzepte. Shoe City ist eines davon, Hammer Schuh ein anderes. Und natürlich Aktiv Schuh. Insgesamt kommen die Berliner auf 58 Filialen, 34 davon in Berlin, 24 vornehmlich in Städten Nord- und Ostdeutschlands.

"Jedes Paar von höchster Qualität"

Aktiv Schuh ist ein Traditionsunternehmen. Im Jahr 1900 wurde es von dem Schuhmachermeister Wilhelm Lehmann in Friedenau als "Schuh Lehmann" gegründet. Mit zeitweise bis zu 20 Gesellen stellte der Schuhmacher – wie es in der Gründerzeit üblich war – Schuhe in Handarbeit her. "Jedes Paar ein Unikat und von höchster Qualität" – darauf kam es an.

Hans Leinweber, Jahrgang 1940, hat den Großvater nicht kennengelernt, denn der starb schon Anfang der 1920er-Jahre. Der Enkel weiß nichts mehr von der Zeit vor dem Krieg, als Schuhe hergestellt wurden, sondern nur von der Zeit danach, als sie mehrheitlich repariert wurden. Und er kennt das Unternehmen vor allem als ziemliche Frauenwirtschaft: Weil Hans’ Vater erst 1948 aus der Kriegsgefangenschaft heimkehrte und ziemlich krank war, führte die Ehefrau des Gründers die Geschäfte, außerdem waren Hans’ Mutter und seine Tante eingestiegen.

Mit Maria Carvalho-Leinweber steht heute wieder eine starke Frau an der Spitze des Unternehmens. Oder besser: mit an der Spitze. Sie führt die Geschäfte gemeinsam mit den beiden Söhnen Marc und Timo. Ihr Ehemann Hans Leinweber fungiert seit 2010 als Berater. Gesellschafter sind sie aber alle vier. Noch halten die Eltern mehr Anteile als die Söhne, mittelfristig soll halbe-halbe gemacht werden. [...]

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