Fußball-App "Onefootball" : Marktführer im Bereich "Fußball mobil"

2009 war "iLiga" die erste Fußball-App überhaupt auf dem iPhone. Heute heißt sie "Onefootball" und findet sich auf den Smartphones von Fußball-Fans weltweit - vor allem, weil die Macher ein paar Dinge richtig gemacht haben.

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Lucas von Cranach
Lucas von CranachFoto: Mike Wolff

Rasengrün ist die Farbe, die sich an Wänden, beim Bodenbelag und an der Garderobe von Onefootball wiederfindet. Über den Schreibtischen hängen die Fanschals europäischer Clubs von Bayern bis Marseille, an den Wänden Trikots. Hinten im großen Raum steht ein Trainingstor, Bälle liegen in vielen Ecken. Man möchte sich gerne einen davon schnappen, losdribbeln und schießen.

Im lichten Großraumbüro der Onefootball GmbH in Prenzlauer Berg wird konzentriert gearbeitet, es ist erstaunlich leise. Zur Europameisterschaft herrscht Hochbetrieb bei den Mitarbeitern, die die Onefootball-App mit aktuellen Storys, Berichten und Statistiken bestücken. Mehr als 24 Millionen Mal wurde die Applikation in über 200 Ländern der Welt heruntergeladen. Im gläsernen Konferenzraum erzählt Gründer Lucas von Cranach von den Anfängen des Start-ups im Jahr 2008. Von Cranach? Ja, er ist tatsächlich ein Nachfahre des berühmten Renaissancemalers und begeisterter Fan des 1. FC Köln. "Zwischen zwölf und 16 bin ich zu jedem Auswärtsspiel mitgefahren", sagt er.

"Wir waren Pioniere"

"iLiga" hieß die erste App seiner Bochumer Firma Motain, die aktuelle Fußballergebnisse präsentierte, "THE Football App" für den internationalen Markt. Fans konnten sich schnell über ihre Lieblingsclubs und alle Ligen der Welt informieren, von der argentinischen Primera Division bis zur russischen Dritten Liga. "Wir waren Pioniere, 2009 war iLiga die erste Sport-App überhaupt auf dem iPhone", sagt von Cranach. Die User waren begeistert, wirtschaftlich gesehen blieb es die ersten Jahre schwierig. Doch damals sei die Grundlage für den heutigen Erfolg gelegt worden, analysiert der studierte Betriebswirt von Cranach. "Es zeigt sich, dass wir das Thema zum richtigen Zeitpunkt umgesetzt haben und durch diesen First Mover weltweit schon viele Kunden gewonnen hatten. Und natürlich hatten wir später auch das Quäntchen Glück, das man braucht."

Seinen neuen Geschäftspartner Jonathan Lavigne, der für die Produktentwicklung zuständig ist, lernte von Cranach 2010 nach dem Umzug nach Berlin kennen: "Ein wichtiger Grund, dass wir hierher gekommen sind, waren die günstigen Mieten und die IBB-Förderung. Ich kannte Berlin, hatte bereits an der TU Betriebswirtschaft studiert. Als kreativer internationaler Standort ist die Stadt ideal." Von Cranach und Lavigne fanden Investoren, Earlybird und die US-Finanzierer Union Square Ventures investierten zusammen einen achtstelligen Betrag.

"Endlich konnten wir unser Produkt so aufstellen, wie wir es immer schon tun wollten", sagt von Cranach. Das Team entwickelte die App neu, benannte sie im März 2014 mutig in Onefootball um, um mehr internationale User zu erreichen. Heute bekommen die Nutzer in 14 Sprachen nicht nur Ergebnisse, sondern individualisierte Informationen über Lieblingsvereine, Spieler, EM-Statistiken oder Transfergerüchte. Ein Netzwerk von bekannten Fußballbloggern liefert Geschichten über Clubs und Spieler, tausende Artikel, die täglich durchs Netz ziehen, werden in der Redaktion gefiltert und bei Interesse verlinkt. Jeder Nutzer bestimmt, worüber und in welchem Umfang er informiert werden will.

Fußball ist inzwischen die beliebteste Sportart auf der Welt

Mit der Neuausrichtung gelang bereits zur WM 2014 in Brasilien der erwartete Durchbruch. Zur Euro 2016 gelang es, Weltkonzerne wie Adidas und Hyundai als Werbepartner zu finden. Von Cranach bleibt dennoch realistisch: "Viele dieser neuen Nutzer zur EM sind klassische Eventnutzer. Die eigentliche Zielgruppe bleibt der Hardcorefan im Ligafußball, der per App das neueste Trikot seines Clubs kauft, Pay-TV abonniert oder Flugtickets fürs Auswärtsspiel bucht." Die europäischen Profiligen sind schon lange im asiatischen oder südamerikanischen Raum angekommen, die Fanszene in China, Japan oder Indien wächst enorm. Im Bereich "Fußball Mobil" ist Onefootball Marktführer. Langfristig sieht von Cranach noch viel mehr Potenzial, denn Fußball ist inzwischen die beliebteste Sportart der Welt: "Da sind noch einige Nutzer, die es auf dem Weg abzuholen gilt."

Dieses Stück erschien zuerst im Wirtschaftsmagazin "Köpfe" aus dem Tagesspiegel-Verlag, das Sie hier bekommen können: Tagesspiegel Köpfe bestellen

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