Jazzclub-Betreiber : Auf ein Glas mit Sedal Sardan

Sedal Sardan spielt selbst kein Instrument, betreibt aber ein Jazz-Café und einen Jazz-Club - mit viel Erfolg. Und er ist ein Gastgeber mit Herz.

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Gastgeber in der Hauptstadt: Sedal Sardan
Gastgeber in der Hauptstadt: Sedal SardanFoto: Doris Spiekermann-Klaas

Alle wollen ihn umarmen. Sedal Sardan lächelt und breitet ebenfalls die Arme aus, er nimmt sich Zeit für jeden Gast, der an diesem frühen Freitagabend ins Jazzcafé Grolman kommt. Die einen sind nur auf ein Getränk hier, die anderen wollen zu Abend essen und später die wenigen Schritte hinüber ins A-Trane laufen, den schönen, aber auch ziemlich engen Jazz-Club. Sardan hat das Café vor einigen Jahren eröffnet – damit die Musiker, die Mitarbeiter und natürlich auch die Gäste einen Ort haben, an dem sie essen, trinken und reden können.

"Meine Freunde haben zu mir gesagt, dass jeder Club dieser Erde einen Meeting Point braucht", sagt er. Das Konzept funktioniere gut. Er bestellt sich ein Bier, weil er das im Sommer besonders gerne trinkt. "Das kühlt mich ab und hält meinen Geist in Schwung." Wenn es draußen kühler wird, geht er zu Rotwein über.

Aus dem Bauch und mit dem Herzen

Der 54-Jährige ist 1974 aus der Türkei nach Berlin gezogen, seine Eltern hatten hier Arbeit gefunden. Seine Jugend verbringt er vor allem auf dem Basketballplatz. Versuche, ein Musikinstrument zu lernen, scheiterten hingegen.

"Aber vielleicht war das gut so", überlegt er. Weil er Musik nicht so analytisch betrachte, sondern intuitiv, "aus dem Bauch heraus und mit dem Herzen". Dass man als Jazz-Clubbetreiber nicht reich wird, ist für ihn kein Grund, ein schlechter Gastgeber zu sein. Die Bands, die zu ihm kommen, bringt er im Hotel unter. "Respekt und Höflichkeit sind mir wichtig, ich behandle andere Menschen so, wie ich behandelt werden möchte." Es ist Zeit, aufzubrechen. Sardan muss hinüber ins Büro und später noch zum Training – der Basketball-Senioren.

Dieses Stück erschien zuerst im Wirtschaftsmagazin "Köpfe" aus dem Tagesspiegel-Verlag, das Sie hier bekommen können: Tagesspiegel Köpfe bestellen

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