Kolumne : Warum Olympia nach Berlin gehört

Berlin ist zu zögerlich und lässt sich in Sachen Olympia allzu leicht von Neinsagern bremsen. Ein Fehler, meint unser Kolumnist Joachim Hunold. Die Spiele gehören nach Berlin! Damit das klappt, muss aber auch der Senat klarer dafür eintreten.

Joachim Hunold
Joachim Hunold, Gründer und langjähriger Vorstandschef der Fluggesellschaft Air Berlin.
Joachim Hunold, Gründer und langjähriger Vorstandschef der Fluggesellschaft Air Berlin.Foto: Air Berlin

Wir wollen die Spiele! Wollen wir wirklich die Spiele? Durch Deutschlands Hauptstadt schleicht eine seltsame Verzagtheit. Wenn man einen Amerikaner, Engländer, Franzosen oder Italiener fragt, wo die Olympischen Spiele 2024 oder 2028 stattfinden sollten, wenn deren Austragung an Deutschland vergeben würde, kommt die Antwort ohne Zögern: "Natürlich in Berlin!" Nur in Berlin selbst überwiegen immer noch die Zweifel.

Sogar in der Tonlage der Stadt-Offiziellen dominiert gedämpfter Trommelklang. Anstatt plakativ herauszustellen, welche Vorteile ein solches sportliches Großereignis für die Stadt bringen könnte, versucht man wortreich zu erklären, wie man Nachteile vermeiden wolle. Und vergisst auch nicht zu beteuern, dass natürlich alles ganz demokratisch und mit transparenter Bürgerbeteiligung ablaufen werde. Beim ersten Bürgerforum im E-Werk war der Senat nur durch den Regierenden Bürgermeister Michael Müller vertreten – nicht einmal der zuständige Sportsenator hielt seine Anwesenheit für erforderlich. Er wusste wohl, warum. Denn zwei Dutzend Randalierer sorgten dafür, dass die Veranstaltung zeitweise im Chaos versank.

Wenn Berlin Großes will, tauchen immer gleich die Verhinderer auf

Die Protest-Gruppierungen "NOlympia" und "Olympia verhindern" scheinen jedenfalls besser organisiert zu sein als die Olympia-Befürworter. Immer dann, wenn in Berlin etwas Großes ansteht, tauchen semiprofessionelle Neinsager und Verhinderer aus dem Untergrund auf. Ganz gleich, ob es um Mediaspree, Guggenheim Lab oder das Tempelhofer Feld geht: Regelmäßig gelingt es einer lautstarken kleinen Minderheit in Berlin, die Meinungsführerschaft an sich zu reißen. Die schweigende Mehrheit bleibt davon nicht unbeeindruckt. Um des lieben Friedens willen ist sie am Ende sogar zum Verzicht bereit.

In seinem "Argumentationspapier" hat der Senat zwar vorgerechnet, dass die Austragung der Spiele "2,4 Milliarden Euro plus weitere Kosten" verursachen würde; er hat jedoch versäumt, die Nutzenseite mit Zahlen zu unterlegen. Die (ohnehin dringend nötige) Sanierung von Straßen, Schulen und Sportstätten, die Schaffung neuer Wohnungen durch das Olympische Dorf, neue Arbeitsplätze, höhere Steuereinnahmen – alles wird nur pauschal aufgezählt. Dabei könnte man doch gewiss einen Volkswirt finden, der das in Euro und Cent umrechnet und allgemein verständlich darstellt.

Das weitgehend industriefreie Berlin lebt in erster Linie vom Fremdenverkehr. Wenn man sieht, welche Werbewirkung schon die Filmfestspiele haben, kann man ermessen, was ein Event wie die Olympischen Spiele auf Jahrzehnte hinaus für die Stadt bringen könnte. Wir bekommen die Spiele aber nur, wenn wir sie wirklich wollen. Wenn Berlin nicht nur überzeugender ist als Hamburg, sondern auch als Los Angeles, Boston, Istanbul, Rom oder Paris. Denn das ist die Liga, in der wir spielen müssen.

Diese Kolumne erschien zuerst im Wirtschaftsmagazin "Köpfe" aus dem Tagesspiegel-Verlag, das Sie hier bekommen können: Tagesspiegel Köpfe bestellen

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