Kolumne : Warum Wassersparen uns teuer zu stehen kommt

Es ist so einfach Gutes zu tun: Einfach regelmäßig den Wassersparknopf bedienen. Warum das aber ziemlich teuer wird, weiß Joachim Hunold. Und er weiß auch: Uns steht das Wasser schon jetzt fast bis zum Hals.

Joachim Hunold
Joachim Hunold, Gründer und langjähriger Vorstandschef der Fluggesellschaft Air Berlin.
Joachim Hunold, Gründer und langjähriger Vorstandschef der Fluggesellschaft Air Berlin.Foto: Air Berlin

Wie doch die Zeit vergeht! Vor zwei Jahren legte der "Runde Tisch Grundwassermanagement" dem Berliner Abgeordnetenhaus einen Bericht vor, in dem vor den Folgen des ständig steigenden Grundwasserspiegels in der deutschen Hauptstadt gewarnt wurde. Es dauerte ein ganzes Jahr, bis dieser Bericht veröffentlicht wurde. Inzwischen ist ein weiteres Jahr vergangen, ohne dass irgendetwas geschehen wäre. Der Grund dafür ist offensichtlich: Die Behebung des Problems würde jährlich rund 100 Millionen Euro kosten – und das 50 Jahre lang. Da warten wir doch lieber, bis uns das Wasser bis zum Hals steht.

In einigen Berliner Bezirken ist der Grundwasserspiegel in den vergangenen 25 Jahren um einen Meter gestiegen. Dadurch sind nicht nur die Fundamente des Roten Rathauses in Mitte, des Konzerthauses am Gendarmenmarkt und des Rathauses von Reinickendorf gefährdet, sondern auch die von Tausenden weiteren Gebäuden in der Stadt. Grund dafür ist der gesunkene Wasserverbrauch, der sich im gleichen Zeitraum halbiert hat. Dafür gibt es zwei Gründe: die Deindustrialisierung Berlins nach der Wende und – wie überall in Deutschland – der dramatisch gesunkene private Wasserverbrauch.

Es ist schön, ein Gutmensch zu sein

Jahrzehntelang haben uns Ideologen eingebläut, dass wir Umweltsünder der schlimmsten Art sind, wenn wir zu viel Wasser verbrauchen. Zumal ja die halbe Welt unter Wassermangel leidet. Auf diese Weise hat sich in unseren Köpfen festgesetzt, dass wir nur auf die Spartaste in der Toilette drücken müssen, damit die Sahara grün wird. Und obwohl jeder weiß, dass es keine unterirdische Wasserverbindung zwischen Berlin und der Sahara gibt, haben wir diesen Unsinn gerne geglaubt. Es ist doch so schön, ein Gutmensch zu sein. Inzwischen denkt ja sogar die EU-Kommission darüber nach, ob sie uns Wasser sparende Duschköpfe vorschreiben soll.

Die Folgen unserer Wassersparwut steigen uns vor allem im Sommer in die Nase, wenn es bestialisch aus den Gullis stinkt, weil nicht mehr genug Abwasser in der Kanalisation vorhanden ist. Dann lagern sich aus alledem, was wir in Spülen und Toiletten werfen, Feststoffe ab, die verfaulen. Weil dabei auch die Rohrsysteme angegriffen werden, müssen sie ständig von den Wasserwerken gespült und am Ende sogar mit hohem Kostenaufwand repariert werden.

Bis Berlin im Sumpf versinkt

Pragmatiker könnten nur vorschlagen, einfach den Wasserpreis von derzeit 0,5 Cent pro Liter zu senken und parallel dazu für einen höheren Verbrauch zu werben. Das jedoch wäre politisch "unkorrekt" und ist daher undenkbar. Wir verbrauchen zwar nur 20 Prozent des Wassers, das sich jährlich regeneriert, doch wir glauben wider besseren Wissens immer noch an die uralten Prognosen, mit denen uns ein steigender Verbrauch und am Ende sogar ein Wassermangel vorausgesagt wurde. Berlin wurde mal auf einem Sumpf erbaut. Jetzt brauchen wir ja nur noch warten, bis es wieder darin versinkt.

Diese Kolumne erschien zuerst im Wirtschaftsmagazin "Köpfe" aus dem Tagesspiegel-Verlag, das Sie hier bekommen können: Tagesspiegel Köpfe bestellen

0 Kommentare

Neuester Kommentar