Kunstsammlung von Hasso Plattner : Die Bilder zum Sprechen bringen

Ab dem kommenden Jahr soll Hasso Plattners private Kunstsammlung endlich im Barberini zu sehen sein. Er hat dafür auch eine neue Direktorin nach Potsdam gelockt - und die hat Großes vor.

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Die neue Direktorin und der Mäzen: Ortrud Westheider und Hasso Plattner
Die neue Direktorin und der Mäzen: Ortrud Westheider und Hasso PlattnerFoto: Andreas Klaer

Ab dem kommenden Jahr lüftet Hasso Plattner nach und nach ein gut gehütetes Geheimnis. Die private Kunstsammlung des Software-Milliardärs haben bislang nur wenige gesehen – und die schweigen beharrlich. Ein Schwerpunkt liegt im Impressionismus, so viel ist klar. Keine Überraschung also, dass das von Plattner gestiftete Potsdamer Kunstmuseum Barberini im kommenden Jahr mit einer Schau rund um Werke von Boudin, Monet und Renoir eröffnet. Er freue sich, dass er nun seine Bilder zeigen könne, die er so viele Jahre im Stillen gesammelt habe, sagte Plattner unlängst im Foyer des noch nicht ganz fertiggestellten Museums.

Drei Ausstellungen, die auf der Sammlung des SAP-Gründers aufbauen, will Barberini-Direktorin Ortrud Westheider künftig pro Jahr zeigen. Plattner lockte die Kunsthistorikerin vom Hamburger Bucerius Kunst Forum nach Potsdam. Im vergangenen Sommer zeigte Plattner ihr Teile seiner Sammlung und überzeugte sie damit, zusammen mit ihrem Mann umzuziehen. Die Aussicht, ein neues Museum aufbauen zu können, gefiel der Inzwischen-Potsdamerin ebenfalls. Sie konzipiert gerne thesenstarke Ausstellungen, die auch die Diskussion in der Fachwelt voranbringen sollen. "Wir wollen Bilder zum Sprechen bringen", gab Westheider bei ihrer Vorstellung im Barberini als Motto aus.

Erneut Millionen für Potsdam

Anders als in Hamburg kann die Direktorin dabei künftig an eine Sammlung anknüpfen. Das eröffne interessante Möglichkeiten für langfristige Kooperationen mit anderen Häusern, sagt Westheider. Als Beispiel nennt sie Schwesternbilder, die aktuell getrennt seien, aber zusammengehörten und erst am einen und dann am anderen Ort gezeigt werden könnten. Auch Plattners Status dürfte die eine oder andere Leihgabe erleichtern. So soll zur Eröffnung etwa ein Bild aus der Sammlung des Microsoft-Gründers Bill Gates zu sehen sein – sozusagen Austausch von Software-Milliardär zu Software-Milliardär.

Mit dem nach historischem Vorbild wiederaufgebauten Palais Barberini spendiert Plattner nach seinem Forschungsinstitut und einem Zuschuss für den Landtagsneubau erneut Millionen für seine Wahlheimat Potsdam. Doch braucht die Stadt vor den Toren des an Museen reichen Berlin überhaupt ein solches Kunsthaus? Westheider ist sich – natürlich – sicher: In Potsdam sei das Barberini das einzige Museum, das wirklich internationale Kunst präsentieren werde. "Dass Berlin mit vielen Kunstinteressierten und einer eigenen Kulturtourismusszene direkt vor der Tür ist, kann uns nur zugute kommen", meint die Direktorin.

Neben dem Impressionismus soll im ersten Jahr ein weiterer Schwerpunkt von Plattners Sammlung gewürdigt werden: die Amerikanische Moderne. Die dritte Schau schließlich wird den Werken der DDR-Kunst gewidmet, die bislang als einzige aus der Sammlung zum festen Bestand des Barberini gehören. Ob Plattner seinem Museum eines Tages weitere Werke dauerhaft überlassen wird, bleibt vorerst die große Frage. Noch hat der Bundestag das geplante Gesetz zum Kulturgutschutz, das die Ausfuhr von Kunstwerken beschränken könnte, nicht verabschiedet. Doch für Plattner steht bereits fest: Wenn das Gesetz in der Form kommt, wie er es befürchtet, bleibt seine Sammlung in den USA. Zu groß wäre andernfalls der Wertverlust, sagte der Mäzen erst jüngst zum wiederholten Male.

Plattner liebt Wasser-Motive

Zwar sammle er nicht des Sammelns wegen, betonte Plattner, als er seine Direktorin vorstellte. Doch er macht auch keinen Hehl daraus, dass seine Investition in die Kunst sich finanziell ebenfalls rentiert habe: "Es hat sich fast so viel gelohnt wie SAP." In fünf Sekunden entscheide er, ob er ein Bild kaufe oder nicht, erzählt der Milliardär.

Ende der 1980er-Jahre fing Plattner das Sammeln an. Als die SAP an die Börse ging, habe er schweren Herzens Anteile verkaufen müssen und dadurch Geld gehabt, sagt er. Zur Kunst sei er dann gekommen, weil es Spaß mache, sich mit schönen Dingen zu umgeben. Und ja, es sei auch Stolz dabei, künftig seine Bilder zu zeigen. Besonders mag Plattner Wasser-Motive – aufgewachsen im Berliner Grunewald segelte er als Kind oft auf dem Wannsee.

Dieses Stück erschien zuerst im Wirtschaftsmagazin "Köpfe" aus dem Tagesspiegel-Verlag, das Sie hier bekommen können: Tagesspiegel Köpfe bestellen

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