Start-up Columba : Was tun mit dem digitalen Nachlass?

Nach dem Tod sind Verträge und Online-Profile hinfällig. Oliver Eiler will mit seinem Start-up Columba die nötigen Formalitäten erleichtern.

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Oliver Eiler Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Oliver EilerFoto: Doris Spiekermann-Klaas

Die meisten Menschen würden das junge Berliner Unternehmen Columba wohl als Start-up bezeichnen. Doch die schnelle Welt mit den bunten Bildern passt so gar nicht zum Geschäft der 2012 gegründeten Firma. Denn es geht um den Tod, genauer um all die Verträge, Policen, Abos und Online-Profile, die ein Verstorbener zu Lebzeiten abgeschlossen und eingerichtet hatte. Columba will einerseits den digitalen Nachlass bei Facebook, Twitter, Netflix & Co. abwickeln, andererseits aber auch die nach dem Tod nötige Kommunikation zu Versicherern und Behörden digitalisieren und auf diesem Wege erleichtern.

Gestartet ist die junge Firma als eine Art digitaler Nachlassverwalter. Es war eine wirklich neue Geschäftsidee, die Geschäftsführer Oliver Eiler und sein Bruder hatten. Zuvor konnten Unternehmen kaum herausfinden, ob die Kunden in ihren Datenbanken überhaupt noch leben. Ein Jahr nach dem Tod eines guten Freundes stellte Eiler fest, dass dessen Premium-Account bei einem sozialen Netzwerk für Geschäftskontakte noch immer aktiv war. Fragen kamen in ihm auf: Wer zahlt eigentlich die Monatsbeiträge? Wer findet das gut? Bekommen außer mir auch die anderen 550 Netzwerkkontakte eine Geburtstagserinnerung mitsamt Aufforderung, eine Kiste Wein zuzuschicken?

Columba macht eine Art Datenbankbereinigung

"Das ist zum einen nicht sehr professionell und zum anderen nicht sehr pietätvoll und führt zuletzt auch zu einem Schaden für die Rechtsnachfolger", sagt Eiler. Damit war das Ziel formuliert: Informationen zu Todesfällen derart weiterzugeben, dass Hinterbliebene wie auch Unternehmen Nutzen davon hätten.

Eiler und sein Bruder näherten sich der Lösung technisch. Eine Software gleicht Sterbefälle automatisch mit den Datenbanken der Unternehmen ab. Treffer können sowohl den Anbietern als auch den Angehörigen übermittelt werden. Der eine Service ist eine Datenbankbereinigung, der andere ist persönlicher und bringt eine Hürde mit: "Ein Technologieunternehmen hat gar nicht die Kultur, um in der Ansprache von Hinterbliebenen erfolgreich zu sein", meint Eiler. Deshalb kooperiert Columba mit Bestattern, die sich traditionell neben der Beerdigung auch um Formalitäten kümmern. Mehr als 1100 Bestattungsunternehmen in Deutschland bieten inzwischen die Online-Schutzpakete an. Im Prinzip gibt Columba ihnen eine Software, die ihre Arbeit deutlich erleichtert. Kündigungen schreiben per Brief soll damit der Vergangenheit angehören.

Im vergangenen Jahr verkaufte Columba mehr als 4000 Schutzpakete, in diesem Jahr wurden bis Ende Juli bereits 15.000 nachgefragt. Der Umsatz der inzwischen profitablen Firma liegt im mittleren siebenstelligen Bereich. Im kommenden Jahr soll das Angebot auch nach Österreich und England gebracht werden. Spanien und die USA sind weitere geplante Etappen.

Eiler hat einen starken persönlichen Antrieb

Eiler betont, dass Columba nur Informationen übermittle und nicht mitlese. Passend dazu ist Columba der Name einer besonders zuverlässigen Brieftaubenrasse. Man berücksichtige Datenschutzbelange, auch wenn das Gesetz Sterbefalldaten gar nicht schütze, heißt es. "Es gibt Rechte, die enden nicht mit dem eigenen Ableben", sagt Eiler, wie um die Ernsthaftigkeit seines Tuns noch zu unterstreichen. "So ein Unternehmen betreibt man nicht nur aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten heraus", erklärt der Gründer. "Ich habe ein starkes persönliches Interesse und einen stark persönlichen Antrieb hinter dem, was wir hier tun." Der Tod sei keine Nische.

Jährlich wären allein in Deutschland Millionen Angehörige von Sterbefällen betroffen. "In dieser Zeit geht es darum, Dinge zu erleichtern, die im Moment unnötig erschwert werden." Es könne doch nicht sein, dass es für Hinterbliebene immer noch Hürden gebe, wenn es um die Vertragsbeziehungen von Verstorbenen gehe. Eiler weiß aus eigener Erfahrung: "Man kann noch so genau sein und jeden Ordner durcharbeiten, zum Jahresende kriegt man noch eine Rechnungskeule." Mit Columba soll das anders werden.

Dieses Stück erschien zuerst im Wirtschaftsmagazin "Köpfe" aus dem Tagesspiegel-Verlag, das Sie hier bekommen können: Tagesspiegel Köpfe bestellen

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