TRIAD Berlin : Eine Agentur mit der besonderen DNA

Von Charlottenburg in die ganze Welt: Die Berliner Agentur TRIAD verwirklicht ganz besondere Messekonzepte. Und ist sehr erfolgreich damit - mit Ideen Made in Berlin wird schon mal ein Gigant wie Disney überflügelt.

Michael Pöppl
Der chinesische Expo-Pavillon, entworfen von TRIAD
Der chinesische Expo-Pavillon, entworfen von TRIADFoto: Promo

Obwohl er am späten Nachmittag noch hellwach wirkt, braucht Lutz Engelke jetzt erst mal einen starken Kaffee. Das aktuelle Projekt seiner Firma TRIAD, die Dauerausstellung des neuen Fußballmuseums in Dortmund, fordert vollen Einsatz. Denn bis zur Eröffnung am 25. Oktober sind es nur noch knapp zwei Wochen. An der Wand hängen Fanschals, Fotos von dem Berner Wankdorfstadion 1954 und Fritz Walter im Nationaldress. Engelke ist Chef und Gründer der Kreativagentur in der Marburger Straße, die seit 1994 Projekte in der ganzen Welt plant und umsetzt. Ein "Think & Do Tank", wie sie sich selbst nennen.

Neben Messeständen und Veranstaltungen für renommierte Firmen wie Siemens oder Bertelsmann konzipiert TRIAD auch Ausstellungen bei internationalen Ereignissen wie der Expo in Hannover oder fungiert als "Ausstellungs- und Planungsbüro für die szenografische und gestalterische Realisierung" im neuen Dortmunder Fußballmuseum oder im FIFA World Football Museum, das im Jahr 2016 in Zürich eröffnen wird. Wie erklärt und zeigt man denn 140 Jahre Fußballgeschichte? "Nun, wir gehen, wie bei allen Projekten, erst einmal interdisziplinär an die Fragestellungen heran, alle Abteilungen sind beteiligt. Anders als in einer klassischen Firma kommunizieren wir eher in flachen Hierarchien", sagt Engelke. "Ein spannendes Thema wie den Fußball erklärt man nicht nur über den Sport, man verknüpft dazu auch Aspekte aus Kunst, Politik, Wissenschaft oder Wirtschaft, so werden Synergieeffekte und gesellschaftliche Auswirkungen sicht- und begreifbar."

Eines der anspruchsvollsten Projekte: Der chinesische Pavillon

Mit den Anforderungen und den Projekten wachsen auch die Teams in der Firma. Im Stammhaus in der Hausnummer drei belegt die Firma bereits vier der fünf Etagen. Knapp 200 Menschen arbeiten inzwischen hier – Designer, Projektentwickler, Architekten, Mediengestalter, Computerspezialisten, Techniker und mehr – dazu kommen noch rund 20 Angestellte in der Dependance in Shanghai. Kein Zufall, China wurde in den vergangenen Jahren ein wichtiger Bezugspunkt für die Agentur. Dort hat TRIAD eines der bisher anspruchsvollsten Projekte umgesetzt, den Themenpavillon der Volksrepublik China bei der Expo 2010. Über 150 Firmen hatten sich um den 30-Millionen-Euro-Auftrag beworben, darunter auch Mediengiganten wie Disney. Doch die Berliner Agentur erhielt mit ihrer Idee vom "Urban Planet" den Zuschlag.

Ausgangspunkt der Ausstellung war, dass bis zum Jahr 2050 geschätzt rund 75 Prozent der Erdbevölkerung in Megacitys und deren direktem Einzugsgebiet leben werden. "Wir haben uns gefragt, welche Probleme dadurch wachsen werden und wie potenzielle Lösungen dazu aussehen könnten", so Engelke. Ein 22 Meter hohes Gebäude mit einer Ausstellungsfläche von 12.000 Quadratmetern wurde konstruiert, als architektonische Vorlage diente eine Doppelhelix, von oben gesehen ein Yin-und-Yang-Symbol, in deren Mitte eine 30 Meter große Weltkugel schwebte. Das Berliner Team erarbeitete mit chinesischen Kollegen das Konzept, das sich an den traditionellen fünf Elementen des Taoismus orientiert: Holz, Feuer, Wasser, Metall und Erde. Die Schau wurde mit acht Millionen Besuchern zu einem der größten Erfolge der Agentur.

"Das Spielen mit Ideen ist sehr wichtig"

Das Team entwickelte vor Ort ein später auch preisgekröntes Konzept für die große Multimedia-Show: Im aufsteigenden Bereich "Road of Crisis" wurden Umweltprobleme anhand der fünf Elemente in Bildern, Texten und Filmausschnitten erklärt. Am höchsten Punkt angekommen, blickte man auf die riesige animierte Erdkugel und konnte sehen, wie die Lebensräume der Menschen langsam, aber unaufhaltsam verschwinden, wenn man die Umweltzerstörung nicht aufhält. Die hinabführende "Road of Solutions" zeigte praktikable Lösungen auf: Internationale Initiativen und Firmen präsentierten Visionen und Produkte, vom Recycling über das Wasser- und Energiesparen bis zum Verzicht auf Fast Food.

"Urban Planet ist ein gutes Beispiel dafür, wie wir an Projekte herangehen", sagt Engelke. Das Konzept von TRIAD sieht drei Phasen vor, die jedes Projekt durchläuft: "Explore – Play – Transform". Der erste Punkt "Explore" steht für Analyse und Umsetzungsstrategie, "Play" ist die kreative Phase, in der Ideen gesammelt und entwickelt werden, die dann im "Transform"-Prozess umgesetzt werden. "Das Spielen mit Ideen ist dabei sehr wichtig. Klingt vielleicht manchmal nach Kindergarten. Aber oft ist das, was ganz leicht aussieht, ganz schön schwer", sagt Engelke und lächelt. "Wir haben dafür im Laufe der Jahrzehnte effektive Methoden entwickelt. Um auf die eine, wirklich gute Idee zu kommen, muss man viele andere erst einmal durchdenken und verwerfen." Diese Kreativität und deren interdisziplinäre Umsetzung seien wichtige Faktoren, sagt Engelke: "Sozusagen ist das die besondere DNA von TRIAD, die schon zu Beginn angelegt war."

Bisher eine beeindruckende Bilanz

Bereits also in jenem ersten Projekt, das zur Gründung von TRIAD Berlin führte, die von Engelke selbst initiierte Ausstellung "Der Traum vom Sehen", die 1997 im Gasometer in Oberhausen stattfand. Sie setzte sich gewogen-kritisch mit der Kultur- und Technikgeschichte des Fernsehens auseinander, von optischen Entwicklungen wie dem Teleskop von Galileo Galilei über frühe TV-Zeiten mit Sendungen wie Robert Lembkes "Was bin ich?" bis hin zu Visionen moderner Kommunikationstechniken und kritisch-philosophischen Betrachtungen im Sinn von Marshall McLuhans "Das Medium ist die Botschaft". Mehr als 540.000 Besucher konnte die Ausstellung ins Ruhrgebiet locken, das sich damals in einem starken wirtschaftlichen Umbruch befand. Der gerade umgebaute Gasometer als Kulturgefäß stand als weit sichtbares Symbol für diesen Wandel.

Innerhalb von sechs Jahren hatte TRIAD mehr als 100 Angestellte, nach der Ausstellung im Gasometer folgten klassische "Brot-und-Butter-Jobs" im Messebau oder bei Events ebenso wie neue kreative Vorzeigeprojekte. Der Expo-Pavillon in Hannover, den TRIAD für den Bertelsmann-Konzern im Jahr 2000 verwirklichte, nahm das Medienthema noch einmal auf und zog 1,4 Millionen Besucher an. Bei manchen Aufträgen durften sich Engelke und sein Team nicht nur kreativ austoben: In der Ausstellung "Happy End" der Zürich Insurance Group von 2002 ging es mit viel Spiel, Spaß und Spannung zurück in die Kindheit: "Was macht glücklich?" war das Thema. Am Ende führten riesige Rutschen die Besucher aus dem Expo-Pavillon in Biel heraus. Die bisherige Bilanz der Berliner Agentur klingt beeindruckend: 600 Projekte, 20 Millionen Besucher, 49 Länder.

"Fußball ist pure Emotion"

2010, kurz nach der Eröffnung des Expo-Pavillons in Shanghai, wurde bekannt, dass TRIAD die Ausschreibung für Konzept, Gestaltung und Realisierung der Ausstellung des Deutschen Fußballmuseums gewonnen hatte. Der Auftrag für das FIFA World Football Museum in Zürich folgte. Zwei Lieblingsprojekte von Fußballfan Lutz Engelke, der immer noch beim FC Internationale in Kreuzberg kickt. Er würde gerne noch mehr über den kommenden Fußballtempel erzählen, leider kann er aus vertraglichen Gründen noch nicht allzu viel vom Museumskonzept zeigen, das ist mit dem DFB so vereinbart. Eines aber verrät er aber schon vor der Eröffnung: "Fußball ist pure Emotion, das ist mehr als nur ein Werbespruch. Und das wird man in der Ausstellung mit allen Sinnen erfahren können, versprochen."

Dieses Stück erschien zuerst im Wirtschaftsmagazin "Köpfe" aus dem Tagesspiegel-Verlag, das Sie hier bekommen können: Tagesspiegel Köpfe bestellen

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