VBKI-Präsident Markus Voigt : Präsident auf der Pirsch

Als Bauingenieur plant Markus Voigt Wolkenkratzer und Flughäfen, als VBKI-Chef setzt er Impulse in Deutschlands ältestem Wirtschaftsclub. Doch in seiner Freizeit, da mag er es still. Mucksmäuschenstill.

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Ganz leger: Markus Voigt in Waidmanns-Montur
Ganz leger: Markus Voigt in Waidmanns-MonturFoto: Privat

Ein Stadtmagazin verpasste ihm einst das Prädikat "begnadeter Netzwerker". Manche halten ihn für das Gesicht der Berliner Wirtschaft. In jedem Fall mischt Markus Voigt kräftig mit in der Szene der Macher, Vordenker und Unternehmer der Hauptstadt. Gerade aber versucht dieser Mann, mit seinen Wanderstiefeln nicht aufs knisternde Laub und die Zweige zu treten.

Knochentrocken sind Brandenburgs Wälder an diesem heißen Abend im August. Als er den Hochsitz auf einer Wiese erreicht, schleicht er langsam Stufe für Stufe hinauf. In gut fünf Metern Höhe angekommen, nimmt er Platz und hat nun freie Sicht auf das Gestrüpp am Ufer eines Sees. Dort wähnt er das Rotwild, wenigstens ein paar Wildschweine, die fast jeden Abend aus der Deckung kommen und durch den Wald hinauf zu einem höher gelegenen Roggenfeld ziehen. Als Erstes erblickt er mit dem Fernglas ein wenige Wochen altes Kitz. Das stakst völlig ungeschützt am Rande der Wiese entlang. "Hoffentlich wurde seine Mutter nicht angefahren", flüstert Voigt. So allein – ganz ohne Milch – sei es kaum überlebensfähig, sorgt er sich. Auch gibt es wieder Wölfe in der Gegend...

Mehr Stille geht kaum

Dann schweigt der Mann, der leidenschaftlich gerne redet und Hände schüttelt. Und wartet auf den Sonnenuntergang in seinem Revier: Limsdorf, einem Teil von Storkow, auf halber Strecke zwischen Berlin und Guben nahe der polnischen Grenze. Viel mehr Wildnis und Stille geht kaum in Deutschland. Hier auf dem Hochsitz oder an seiner anderen Pacht bei Teltow sitzt er etwa zwei Mal in der Woche, um zu schauen, zu schießen, nachzudenken – das bedeutet auch: zu arbeiten: "Ich bin mittlerweile so etwas wie die Kreativabteilung meiner Firma. Da kann dann und wann ein wenig Ruhe nicht schaden."

Zuerst hatte er Ausgleich beim Golfen gesucht

Mal Ruhe von Berlin, vom Ku’damm, wo sein neues Ingenieurbüro vor knapp einem Jahr die Räume bezogen hat, gleich schräg gegenüber vom Hotel Kempinski. Ruhe von der nahen Fasanenstraße, wo Voigt als ehrenamtlicher Präsident des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller (VBKI) ein weiteres Büro hat – im Ludwig Erhard Haus. Ruhe vom Ball und Sommerfest der Berliner Wirtschaft, die Voigt jedes Jahr eröffnet. Ruhe vom Flughafen BER, wo seine Firma hilft, den Schlamassel aufzuräumen. Ruhe von Gremiensitzungen, Podiumsdiskussionen, Netzwerktreffen.

Der 49-Jährige hatte einen Ausgleich beim Golfen gesucht, sich dann aber doch irgendwann aufs Jagen konzentriert – wie schon sein Vater, sein Onkel, sein Schwiegervater. "Ich weiß, dass das nicht jeder nachvollziehen kann", sagt er leise. "Aber wer das hier einmal gesehen hat, bekommt vielleicht eine Ahnung davon, wie magisch das hier ist." [...]

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