Bergarbeiter in Deutschland : Aufbauhelfer

Haing-Kil An hat sein Glück in Deutschland gefunden. Die Geschichte eines koreanischen Gastarbeiters.

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Der ehemalige Gastarbeiter Haing-Kil An und seine Familie bei einem Ausflug in den 80er Jahren. Foto: privat
Der ehemalige Gastarbeiter Haing-Kil An und seine Familie bei einem Ausflug in den 80er Jahren.Foto: privat

Haing-Kil An hat viel getan, um nach Deutschland zu kommen. Er hat Unmengen Melonen gegessen, um beim Eignungstest schwerer zu sein – mit weniger als 57 Kilo hätte er, 1,73 Meter groß, keine Chance gehabt. Er hat seine Hände auf Zement abgeschmirgelt, damit sie wie die eines Arbeiters aussehen. Er hat den Arzt bestochen (wie es alle taten), damit der kein Wort verliert über den zusätzlichen Knochen in Ans Rücken.

Es funktionierte. Im Dezember 1970 durfte Haing-Kil An schließlich von Seoul nach Düsseldorf aufbrechen, im Flugzeug wurde ihm und den anderen koreanischen Gastarbeitern noch rasch beigebracht, wie man Messer und Gabel hält. An erinnert sich bis heute an das Klirren des herabfallenden Bestecks.

Und dann war er da, im Ruhrgebiet. Die Nächte verbrachte er in einem Zwei-Mann-Zimmer im Wohnheim, die Tage in der Zeche Osterfeld in Oberhausen. Es ging tief hinunter in den Stollen, Steinkohle wurde dort abgebaut, für An bedeutete das je acht Stunden Maloche, von Montag bis Freitag. Die Kumpel sprengten und schippten, 40 bis 60 Grad war es heiß, erzählt er. „Wir waren so durstig, dass wir zehn Liter Wasser am Tag tranken.“

Die Koreaner gelten als sehr gut integriert, ihre Kinder als erfolgreich

Man würde es nicht vermuten, aber An hat diese Zeit in schöner Erinnerung. Er ist mittlerweile 69, wirkt fit, ist tätig im Im- und Export, hat einen deutschen Pass und pendelt zwischen Seoul und Zehlendorf. „Südkorea war damals ein sehr armes Land“, sagt er, „es gab nicht genug Jobs für junge Leute wie mich.“ Als Bergarbeiter in Deutschland konnte An nicht nur Ausflüge nach Holland und anderswo hin unternehmen, „um meinen Horizont zu erweitern“, er verdiente vor allem so viel wie ein hoher Beamter in der Heimat: Die 600, 700 Mark schickte er jeden Monat nach Hause. Den Geschwistern ermöglichte sein Lohn eine bessere Bildung.

Ans Geschichte ist die von vielen Südkoreanern. 1963 hatten ihr Land und die Bundesrepublik ein Gastarbeiter-Abkommen unterzeichnet. Dank diesem kamen in den folgenden 14 Jahren 8000 Männer als Bergarbeiter und 10 000 Frauen als Krankenschwestern nach Westdeutschland. Vor dem Aufbruch in die Fremde musste jeder dem südkoreanischen Staat eine bestimmte Summe zahlen – Geld für den Aufbau des durch den Koreakrieg geschundenen Landes. Ist Haing-Kil An stolz auf das, was er und die anderen geleistet haben? „Sehr“, sagt er und lächelt.

Die Koreaner, die wie er in Deutschland geblieben sind, gelten als sehr gut integriert, ihre Kinder als erfolgreich. An war mal Vorsitzender des Koreanischen Vereins Berlin. Mit seiner Frau, einer ehemaligen koreanischen Gastarbeiterin, hat er drei Kinder, die hier aufgewachsen sind, „sie haben eine gute Ausbildung“. Haing-Kil An fühlt sich noch immer nicht ganz sicher mit der deutschen Sprache, aber sonst ist er angekommen. Wenn er nach Korea fährt, sagen die Leute manchmal zu ihm: „Sie sind so korrekt. Woher kommen Sie?“

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