Diplomatie : Deutscher Reformer

Paul Georg Möllendorff stand seit Ende 1882 als erster westlicher Berater im Dienst der koreanischen Regierung.

Eun-Jeung Lee
Einflussreicher Vizeminister des Königreichs Kora: Paul Georg Möllendorf. Foto: Wikipedia
Einflussreicher Vizeminister des Königreichs Kora: Paul Georg Möllendorf.Foto: Wikipedia

Paul Georg von Möllendorff war der erste Ausländer, der von der Regierung Koreas im Jahre 1882 als Berater unter Vertrag genommen wurde. Schon bald nach seiner Ankunft wurde er vom König zum überhaupt ersten Vize-Außenminister von Korea ernannt. In dieser Funktion vertrat er bei der Unterzeichnung des Vertrages zwischen Deutschland und Korea über die Aufnahme diplomatischer Beziehungen am 26. November 1883 die koreanische Seite. Möllendorff, der am 17.Februar 1847 in Zehdenick in der Uckermark geboren wurde, kam in Winter 1882 nach Korea und blieb knapp drei Jahre. Schnell entwickelte sich ein enges und vertrauliches Verhältnis zum König und er genoss hohes gesellschaftliches Ansehen.

Möllendorff hatte zahlreiche Pläne im Kopf, wie das Land, um seinen Bestand gegenüber den imperialistischen Mächten zu verteidigen, zu reorganisieren und zu modernisieren wäre. Dazu gehörte die Reform aller staatlichen Einrichtungen, wie der Finanzen, der Armee, der Justiz, des Bildungswesens, der Landwirtschaft, des Handwerks und der Auf- und Ausbau von Industrie, Handel und Verkehr. So trieb er gleichzeitig die unterschiedlichsten Modernisierungsprojekte voran und holte zur Verwirklichung seiner ehrgeizigen Pläne etliche Fachleute, darunter viele aus Deutschland, ins Land. In seiner Position als Berater des Königs, als Vize-Außenminister und später auch Verteidigungsminister beeinflusste Möllendorff die Politik „seines“ Landes ganz erheblich.

Möllendorff betrachtete insbesondere Japan als das Land, das die Sicherheit und Unabhängigkeit Koreas ernsthaft gefährdete. Würde China in der Lage sein, Korea im Falle eines japanischen Angriffs tatsächlich zu schützen? Möllendorff bezweifelte das, weil Frankreich im Chinesisch- Französischen Krieg 1884-85 das nördliche Vietnam besetzen konnte und China seine Oberhoheit aufgeben musste. Korea brauchte deshalb eine weitere Schutzmacht.

Seine Geheimdiplomatie flog frühzeitig auf

So reiste Möllendorff im Februar 1885 im Auftrag des Königs nach Tokio, um sich dort heimlich mit dem russischen Gesandten zu treffen und diesem die königliche Bitte, dass Russland die Rolle der Schutzmacht Koreas übernehmen wolle, zu übergeben. Russland zeigte sich bereit, mit der koreanischen Regierung über die Entsendung russischer Militärinstrukteure nach Korea zu verhandeln. Dass dieses Vorhaben scheiterte, lag allerdings nicht an Japan oder China, sondern vor allem an England. Aus der englischer Sicht sollte Russland auf keinen Fall im Osten an Einfluss gewinnen.

Da auch Japan und China keinen Gefallen an einer Ausweitung des russischen Einflusses in Ostasien fanden, setzten sie König Kojong gemeinsam unter Druck, den Architekten dieser Politik – Möllendorff – zu entlassen. Am 27. Juli 1885 verlor er das Amt des Vize-Außenministers und am 17. Oktober seine übrigen Ämter. Schließlich musste er Korea im Dezember 1885 verlassen.

Möllendorff hatte nach einem realistischen Weg zur Gewährleistung der Selbständigkeit Koreas gesucht und scheiterte letztendlich, als seine Geheimdiplomatie frühzeitig ruchbar wurde, an den anderen Großmächten. Trotz seiner kurzen Wirkungszeit hat Möllendorff in Korea tiefe Spuren hinterlassen und ist im kollektiven Bewusstsein des Landes fest verankert. Dieser ungemein sprachgewandte, fleißige, engagierte und loyale Deutsche prägt bis heute das Bild von Deutschen und von Deutschland.

Professorin Lee leitet die Koreastudien an der Freien Universität Berlin

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