Ein Lesestück in fünf Akten : 5. Akt

Der Tanz, die Kunst und das Geld.

Birgit Rieger

Museen wie die Tate Modern in London, das Pariser Centre Pompidou oder das Kiasma in Finnland haben seit zehn Jahren Performing-Arts-Programme. Die Berliner Institutionen haben Nachholbedarf. „Als das Kiasma 1998 gegründet wurde, war es den Direktoren von Anfang an wichtig, alle Formen des zeitgenössischen Ausdrucks zu integrieren. Also auch Tanz, Choreografie, Life Art“, sagt Virve Sutinen, die am Kiasma kuratierte, bevor sie 2014 nach Berlin kam. Wenn Institutionen jetzt auf den Zug aufspringen, kämpfen sie auch um Aufmerksamkeit und neue Zielgruppen. „Die Frage ist: Entsteht zwischen Museum und Tanz eine echte Zusammenarbeit? Oder sucht die wettbewerbsorientierte Museumswelt nur nach neuen Events, die günstig zu produzieren sind?“ Der große Unterschied zwischen der bildenden Kunst und dem Tanz ist nämlich nicht der Inhalt, sondern die Ökonomie. Im Kunstmarkt gibt es Geld, der Tanz ist auf Subventionen angewiesen. Lange Zeit hatte alles, was nicht greifbar ist - auch mit Worten nicht fassbar - auf dem Markt keine Chance. Das ändert sich gerade. Wenn es eine Institution gibt, die sich mit dem Zusammenspiel und der Abgrenzung der Disziplinen auskennt, dann ist es die Akademie der Künste. Seit 300 Jahren organisieren sich die Mitglieder in Sektionen. 1696 gab es nur zwei: die bildende Kunst und die Baukunst. Die Musik, die darstellende Kunst und die Literatur wurden erst viel später als künstlerische Disziplinen anerkannt. „Ich beobachte seit circa fünf Jahren eine Öffnung“, sagt Wulf Herzogenrath, Leiter der Sektion bildende Kunst. Erst jüngst akzeptiert sie interdisziplinäre Positionen, wie die von Tacita Dean oder Mona Hatoum. „Grenzgänger haben innerhalb der Sektion immer noch einen schweren Stand“, gibt Herzogenrath zu. Dabei widmet sich die Akademie ab Herbst 2015 vor allem den Grenzüberschreitern: Zeichnungen des Schriftstellers Arno Schmidt werden ausgestellt. Und ab November werden die Körper-Aktionen des Performance-Pioniers Terry Fox präsentiert.

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