Ein Lesestück in fünf Akten : Nachspiel

Die Hochschule.

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Wenn der chinesische KonzeptkünstlerAi Weiwei ab Oktober an der Universität der Künste lehrt, dürfen Studenten aller Fakultäten, bildende Künstler, Architekten und Designer, in seine Klasse. Dass junge Menschen sich für Studiengänge wie Malerei oder Bildhauerei entscheiden sollen, scheint beim Anblick dessen, was Künstler heute tun, sowieso nicht mehr passend. Aktuell wird diskutiert, wie die Strukturen der Kunsthochschulen an die Realität angepasst werden können. Heiner Franzen ist Gastprofessor für „Zeichnung in der Malerei“ an der Kunsthochschule Weißensee. Den Titel hat Franzen vom Vorgänger übernommen. Eigentlich geht es hier weder ums Zeichnen noch um die Malerei. „Ich bringe den Studenten grundlegende Dinge bei. Wie organisiert man ein Atelier, wie läuft der Produktionsprozess, was macht man mit einer Idee und wie übt man sich in Präzision“, sagt Franzen. Die Studenten sitzen in Franzens Klasse zusammen. Sie müssen es wissen. Ist das multimediale Arbeiten Normalität? Kümmern sie sich überhaupt noch um Disziplinen? „In der Schule lernen wir: Kunst ist Malerei, vielleicht noch Bildhauerei. Damit kommen wir an die Hochschule. Erst dort erfährt man, welche verschiedenen Möglichkeiten es gibt“, erzählen sie. „Die meisten bewerben sich immer noch mit klassischen Malermappen“, sagt die Zeichnerin Hanna Hennenkemper, die mit Franzen die Klasse leitet. Hennenkemper gehört zu den Initiatorinnen des „Skills“-Projekts, einer Kooperation zwischen der Kunsthochschule Weißensee und der Akademie der Künste Berlin. In einer Reihe von Abendveranstaltungen wird ab Herbst 2015 gefragt: Worüber definiert sich ein Künstler, wenn nicht über die Werkzeuge, die er benutzt? Wie wichtig sind die Fertigkeiten, wenn die „fertigen“ Verfahren so selbstverständlich sind in der Kunst? Was muss ein Künstler lernen? Am Ende fragt man sich: Was ist ein Künstler eigentlich? Die Diskussion um die Disziplinen erhitzt die Gemüter. Sie fängt harmlos an. Am Ende geht es um alles.

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