Dritte Generation Ostdeutschland : "Jeder kann das Netzwerk als Plattform nutzen"

René Sadowski ist 1975 in Ost-Berlin geboren und in Hohenschönhausen aufgewachsen. Seit einem Jahr engagiert sich der Unternehmensberater intensiv im Netzwerk "Dritte Generation Ostdeutschland".

René Sadowski, Unternehmensberater und Unterstützer des Netzwerkes "Dritte Generation Ostdeutschland"
René Sadowski, Unternehmensberater und Unterstützer des Netzwerkes "Dritte Generation Ostdeutschland"Foto: Jana Demnitz

Zur Wendezeit war ich 14 15 Jahre alt und wohnte mit meinen Eltern in Ost-Berlin. In diesem Alter, begann ich, wie viele andere auch, mich für gesellschaftspolitische und ökonomische Zusammenhänge zu interessieren. Genau in dieser Lebensphase fiel die Berliner Mauer, wurde die Währungsunion durchgeführt und die Wiedervereinigung vollzogen. Auch zurückblickend ist dies natürlich für mich eine extrem spannende Zeit gewesen. Auch deshalb, weil Personen und Institutionen, die als Vorbilder galten, ja gar das gesamte politische System, in extrem kurzer Zeit verstummten oder verschwanden. Aber erst als Erwachsener und über viele Diskussionen mit Persönlichkeiten aus dem Netzwerk habe ich diese Umbrucherfahrungen wirklich zu schätzen gelernt.

Was mich stark berührt und geprägt hat, ist die Tatsache, dass etwas, was als unumstößlich galt, urplötzlich, innerhalb von wenigen Monaten komplett zusammenbrechen kann.

Nach zwei Jahren im Ausland und anschließendem Studium bin ich seit nunmehr acht Jahren in einer Unternehmensberatung tätig. Aus meinen Beratungsprojekten und anderen gesellschaftlichen Aktivitäten habe ich bisher nur wenige Menschen aus Ostdeutschland kennengelernt, die in Unternehmen und anderen Organisationen Führungspositionen bekleiden. Ob dies wichtig im Kontext der gesamtdeutschen Gesellschaft ist, sei dahingestellt. Fakt ist, dass dies bisher eher die Ausnahme als die Regel ist – unabhängig der biografischen Vergangenheit einer Bundeskanzlerin Angela Merkel und eines Bundespräsident Joachim Gauck.

Basis unseres Netzwerk ist - und dies hat unsere diesjährige Umfrage ergeben – ein sogenanntes "Emotional Bonding", also die subjektive und gleichzeitige Erfahrung des deutsch-deutschen Transformationsprozesses. Im Netzwerk sind eine Vielzahl von Akteuren aus den unterschiedlichen gesellschaftlichen Sektoren, wie Politik, Wissenschaft, Wirtschaft aber auch Kunst und Kultur aktiv. Und gerade diese Vielfalt an Perspektiven ermöglicht es jedem, dieses Netzwerk als Plattform und Verbindungspunkt zu anderen Akteuren und Interessierten für gesellschaftliches oder anderes Engagement zu nutzen. Blicken wir auf die großen gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen wie die Energiewende oder Themen will Bildung und Gesundheit, so können diese nur in einer partizipativen Form der intersektoralen Gemeinschaft bewältigt werden. Hier glaube ich, dass unser Netzwerk sowohl auf individueller also auch auf organisationaler Ebene wesentliche Impulse setzen und gesellschaftsgestalterische Akzente forcieren kann.

Ich persönlich finde es wichtig, dass wir uns als Bürger dieses Landes neben unseren jeweiligen beruflichen Aktivitäten auch gesellschaftlich engagieren. Neben meinem Engagement als Mitglied des Netzwerkkoordinationsteams bin ich an der HTW Berlin, meiner Alma Mater, in unterschiedlichen Projekten aktiv. Seit gut drei Jahren nehme ich dort einen Lehrauftrag war, betreue jedes Jahr einen Mentee über einen Zeitraum von je einem Jahr und habe mit drei weiteren Mitstreitern einen "Mentors.Club" gegründet.


Notiert von Jana Demnitz

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage des Netzwerkes.

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