Aufregende Zeit : Geschichte im Reisepass

Vor 20 Jahren hatte Tagesspiegel-Leser Klaus-Dieter Spangenberg seinen ersten Job als Verkäufer - in London. Das aufregende Jahr 1989 verfolgte er aus Ferne. Aber am Ende konnte er sich ein Stück deutsche Geschichte sichern - einen Passstempel von einen berühmten Grenzübergang.

Klaus-Dieter Spangenberg

1989 war ich in London und hatte dort meinen ersten Job bei der Einzelhandelskette WHSmith Ltd. als Verkäufer. Vom Mauerfall erfuhr ich leider nur durchs englische Fernsehen. Ich sah die Bilder von den Menschen, die am Brandenburger Tor auf der Mauer standen - mit derselben Ungläubigkeit, wie ich Wochen zuvor die Meldungen von daheim verfolgt hatte. Leider alles nur viel zu kurz immer am Rande der Tagesnachrichten. "Na toll", dachte ich, "da passiert Geschichte in der Heimat und ich bin im Ausland." Ich war traurig, dass ich diese einzigartige Stimmung nicht miterleben konnte. Mir kamen vor Rührung die Tränen als ich sah, wie die Grenze geöffnet wurde und die Menschen sich in Berlin in die Arme fielen.

Kommen East- und Westgermany wieder zusammen?

Es war für mich unfassbar, auch meine Freunde, Kollegen und WG-Mitbewohner in London konnten es ebenso kaum glauben, was dort in Germany geschah. Ich vergesse nie, wie ich einige Tage nach der Grenzöffnung von einem Vorgesetzten, einem netten, seriösen, höflichen und sehr interessierten Engländer, in ein längeres Gespräch über die Ereignisse verwickelt wurde. Ob ich nun glaube dass "East- and Westgermany" wieder zusammenkämen? Ich verneinte und hielt diese Möglichkeit für völlig ausgeschlossen. Und wenn, so erläuterte ich dem Vorgesetzten, würde dies Jahre dauern.

Dass dann alles so schnell ging, hätte ich nicht gedacht.

Mein Wissen über deutsche Geschichte habe ich aus der bundesdeutschen Schule der 80er Jahrer beigebracht, und so hielt ich das Ende der Teilung für fast ausgeschlossen. Ich warnte immer davor, nicht zu euphorisch zu werden. Die Betrachtung der Ereignisse mit der Distanz aus dem Ausland und die vielen Gespräche mit Freunden und Kollegen haben mir bei der Beurteilung von dem, was da in der Heimat passiert, sehr geholfen.

Urlaub in Berlin ohne Mauer - und mit einem besonderen Pass

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Im Urlaub bin natürlich zu Freunden nach Berlin gefahren, um mit eigenen Augen zu sehen, was da passiert und ob es wirklich wahr ist. Ein wenig stolz bin ich schon, in meinem alten Reisepass einen Stempel vom provisorischen Grenzübergang Brandenburger Tor zu haben. Somit habe ich mir mein Stück deutsche Wiedervereinigungsgeschichte bewahrt - und heute lebe ich in Berlin!

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