Der Eisbären-Star und die Wende : Als Sven Felski endlich die Preussen sah

Am Tag nach dem Mauerfall fuhr Sven Felski mit seinen Eltern über die Grenze nach West-Berlin. Beim Gedanken daran bekommt der Eishockey-Star heute noch Gänsehaut. Zwei Tage nach dem Mauerfall konnte er sich dann einen besonderen Traum erfüllen.

Sven Felski
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Einst ein Preussen-Fan. Sven Felski hatte einen besonderen Grund, sich über den Mauerfall zu freuen.Foto: dpa

Für mich begann die Wende erst am 10. November und da auch mit gehöriger Verspätung. Das mit der Maueröffnung ist ja auch in der Nacht passiert, am Morgen danach war ich in der Schule. Da war der Mauerfall noch überhaupt kein Thema, keiner meiner Mitschüler hat so richtig gewusst, was los war. Als ich dann aber nach Hause kam, da ging es los. Meine Eltern saßen quasi schon im Auto, riefen mir zu: „Komm, lass uns losfahren.“ Dann sind wir zur Chausseestraße und von dort aus rüber in den Westen. Da standen so viele Menschen Spalier, wenn ich an diesen Moment denke, bekomme ich sofort eine Gänsehaut.

Natürlich war ich von den vielen Eindrücken überwältig. Und zwei Tage nach dem Mauerfall konnte ich mir meinen größten  Traum erfüllen: Endlich mal ein Eishockeyspiel der Preussen im Stadion sehen. Das kannte ich ja nur aus dem Fernsehen, Sat1 hat ja damals die Bundesliga-Spiele noch live übertragen.

Ich, ein Preussen-Fan? Ich weiß, das klingt komisch heutzutage, vor allem weil man mich ja nur mit den Eisbären in Verbindung bringt. Jedenfalls schaute ich mir mit meinem Vater ein Spiel in der Eissporthalle an der Jafféstraße  an und war völlig beeindruckt, dass es so tolles Eishockey gibt. Und an jenem Abend ging mir noch etwas anderes durch den Kopf. „Vielleicht hast du nicht ganz umsonst deine ganze Jugend im Eisstadion im Sportforum geopfert, vielleicht kannst du das dann später auch mal in Gesamtdeutschland präsentieren“, habe ich mir gesagt. Wir haben ja schließlich damals bei Dynamo im Nachwuchs unter professionellen Bedingungen trainiert.

Nach meinem Besuch bei den Preussen habe ich im Training erst mal richtig rangeklotzt. Mein Großes Ziel stand fest, für mich kam die Wende zur richtigen Zeit. Ich war damals 15 Jahre alt. Ich konnte das, was ich gelernt habe, nun auch zum Beruf machen: Das Eishockeyspielen. Wie man 20 Jahre später sieht, hat es funktioniert.

Sven Felski, 34, hat über 700 Liga-Spiele für die Eisbären bestritten und wurde mit ihnen drei Mal Deutscher Meister. Zudem ist er deutscher Eishockey-Nationalspieler. Aufgezeichnet von Claus Vetter.

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