GELEBTE GESCHICHTE : Aufbruchstimmung und Gänsehaut

Die Mauer ist gefallen. Am 10. November 1989 fasst die Familie von Tagesspiegel-Leserin Hannelore Schillinger-Sauer, die in Süddeutschland lebt, den Entschluss, Geschichte hautnah miterleben zu wollen. Sie fahren direkt an diesem Tag nach Berlin. Für die Kinder wird es ein großes Erlebnis, über das sie später einen Aufsatz schreiben.

HANNELORE SCHILLINGER-SAUER

Wir leben im Süden Deutschlands, Landkreis Reutlingen auf der Schwäbischen Alb.9. November, eine Abendveranstaltung. Es gibt nur ein Thema: Berlin, der Mauerfall. Unser Entschluss fällt dann doch schnell: Wir fahren mit unseren kleineren schulpflichtigen Kindern nach Berlin. Diese Gelegenheit "Geschichte zu leben", nicht nur im Geschichtsunterricht später irgendwann zu lernen, gibts nur einmal.

Wir fahren am nächsten Tag los. Morgens um 4 Uhr: die Ankunft in Berlin. Irgendwo in einem Außenbezirk übernachten wir für einige  kurze Stunden im Auto. An einen richtigen Schlaf ist jedoch nicht zu denken. Die Spannung ist zu groß. Wir fahren, so weit es die Menschenmassen zulassen. Dann ist sie da, die Mauer: Offen! Trabis fahren an uns vorbei, die Kinder teilen kleine Geschenke aus, die sie mitgebracht hatten. Autohupen, Menschen jubeln. Wir spüren diese Aufbruchstimmung direkt, hautnah. Gänsehaut pur.

Mit kleinen Steinen klopfen wir unsere Mauer-Erinnerungssteine ab. Irgendwann die Rückfahrt. Die Straßen rund um Berlin sind zu. Der Trabi-Stau auf dem Weg Richtung Nürnberg 100 km lang. Der Geruch der 2-Takter, der Abgasnebel auf der Autobahn brennt sich als Erinnerungsfilm für immer im Gedächtnis ein. Die Kinder schreiben einen Aufsatz über ihr großes Erlebnis: Berlin, der Fall der Mauer 1989.

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