Geöffnete Grenzen : Wiedervereinigung einer Familie

Neun Jahre alt war Tagesspiegel-Leser Nico Vasilevski, als die Mauer fiel. Das war für ihn als Kind schon sehr spannend. Das aufregendste Erlebnis war aber, als er in dem ganzen Trubel des 9. November auf einmal seine Tante aus Ost-Berlin wiedersah.

Nico Vasilevski

Ich war damals neun Jahre alt, ich und meine Mutter wohnten in Wilmersdorf abgetrennt durch die Mauer, und der Rest der Familie in der DDR. Damals als 9-Jähriger hat man die Teilung noch nicht so emotional wahrgenommen, sondern sie eher als Fakt gesehen, aber natürlich hat man auch als Kind immer gefragt, wieso die Familie halt getrennt voneinander lebte. Da meine Mutter sich immer politisch engagiert hatte, wusste ich mit den Begriffen Stasi und VoPo etwas anzufangen. Und wir hatten auch Berlinkunde, wo wir alles über die Stadt erfurhen. Ich hatte zu Hause die 750-Jahre-Berlin-Chronik. Darin  war auch der Spruch von Erich Honecker zu lesen, dass diese Mauer noch 100 Jahre stehen wird.

Am Abend des 9.November saß ich vor dem Fernseher, und plötzlich sagte meine Mutter: "Zieh dich an, die Mauer wird abgerissen." Ich dachte meine Mutter scherzt,  denn die Mauer war ja bewusst in meiner Erinnerung.  Aber sie meinte: "Nein,  schalt mal auf ZDF um!"  Und ich sah, dass so viele Menschen auf der Mauer waren. Ich war plötzlich sehr aufgeregt. Wir sind dann mit dem Bus 69 so weit wie es ging zum Brandenburger Tor gefahren und dann  gelaufen. Alles jubelte und feierte mit Sekt. Und wir waren in Höhe des Sowjetischen Ehrenmals, da entdeckte ich plötzlich, dass da meine Tante mit Ihrer Freundin Pia stand. Da hab ich zum ersten Mal begriffen, was es heißt, wenn eine Mauer eingerissen wird. Gefreut habe ich mir sehr, und noch heute gehe ich gerne zu dieser Stelle heran und schwelge in den Erinnerungen. Davon  gibt's auch ein Foto, das noch bei meinem Opa hängt, den ich erst nach dem Mauerfall zum ersten Mal getroffen hatte.

Ich bin mir immer dieser Erinnerung bewusst, denn ich hab dem Fall der Mauer zweierlei zu verdanken:

1) Unsere Familie war wiedervereint. Das heißt,auch meine Mutter durfte ihre Freunde und Eltern wiedersehen, was sie vorher nicht konnte. Und so habe ich auch meinen Opa kennengelernt.

2) Die Grenzen sind geöffnet und ich finde es gut so. Jetzt durch die Europäische Union hat man das Recht, sich überall niederzulassen, es gibt den Euro, man braucht keine Arbeitsgenehmigungen.

Es gibt viele, die sich die Mauer bzw. die DDR wieder herbeiwünschen. Für mich ist das reiner Unfug, denn die DDR war vielleicht sozial okay, aber letzendlich war die DDR pleite. Und das beweist mir heute noch, Sozialismus lässt sich nicht finanzieren, und dann gab's die Stasi und die VoPo. Es ist wichtig, dies im Gedächtnis zu behalten und  man sollte das Schlechte nicht verdrängen.


Meinungsfreiheit ist wichtig; und man sollte diese uneingeschraenkt auch nutzen und auch dazu stehen.




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