Innerdeutsche Grenze : Über Beton in die Freiheit

Mit ausländischen Gästen ging Tagesspiegel-Leser Willy Depner von Wolfsburg aus gern an die innerdeutsche Grenze. Dort wurde er Zeuge eines baulichen Wettstreits zwischen Ost und West - bis die Wende kam.

Willy Depner
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Rübergeschaut. An der innerdeutschen Grenze.Foto: G.J. Vaarkamp

Ein Ausflugsziel war zu DDR-Zeiten der kleine Ort Zicherie, unweit der B 244 zwischen Wolfsburg und Brome. Wenige 100 Meter hinter dem Grenzzaun befand sich der Ort Böckwitz, der fast völlig unbewohnt war. Grenztruppen der DDR hatten hier einen Beobachtungsposten. Denen waren Besucher auf der westlichen Seite natürlich nicht willkommen. Folge war, der Grenzzaun wurde durch eine recht hohe Mauer aus Beton-Fertigteilen ersetzt.

Der Blick nach "Drüben" in den Ort Böckwitz war damit stark behindert. Zum Glück nur kurze Zeit. Vom Bundesgrenzschutz wurde eine "Aussichtsplattform" errichtet, von der man aus ca. zwei Metern Höhe wieder gut das Treiben auf der anderen Seite beobachten konnte.

Da dieser Grenzabschnitt nur wenige Kilometer von der Volkswagenstadt Wolfsburg entfernt lag, habe ich diesen Ort häufig mit ausländischen Gästen besucht, die die Grenze nur aus Berichten kannten. Der Blick von der  Aussichtsplattform auf die Mauer und auf das trostlose Dorf dahinter hat den Gästen die Unmenschlichkeit des DDR-Regimes verdeutlicht.

Dann die Wende. Plötzlich war die Mauer nicht mehr da. Mein erster Blick fiel auf einen provisorischen Fußweg, der nun die Verbindung  nach  Böckwitz herstellte. Denn dieser Weg bestand aus den Beton-Fertigteilen, die bis dahin die Mauer gebildet und viele Jahre nicht nur den Blick versperrt hatten. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, diesen Weg zu betreten und zu spüren, dass Freiheit etwas ganz Besonderes ist.

Mehr zum Thema unter www.grenzerinnerungen.de.

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