Leckereien aus dem KaDeWe : Ein großzügiger Spender

Tagesspiegel-Leserin Stefanie Wlosnewski kam aus Brandenburg am 10. November 1989 nach Berlin. Sie wollte im KaDeWe einkaufen. Ein großzügiger Spender half ihr dabei. Noch heute ist sie ihm dankbar dafür.

Stefanie Wlosnewski

Ich hatte am 9. November1989 einen Haushaltstag, wie es verheirateten Frauen mit Kindern einmal im Monat zustand. In der Nacht erfuhr ich vom Mauerfall in Berlin und entschloss mich, am nächsten Tag mit meinem Trabbi  den damals noch weiten Weg von Brandenburg nach Berlin zu wagen, um mich vor Ort von den Ereignissen zu überzeugen. Mit einem mir unbekannten jungen Pärchen, das ich auf der Polizei in der Warteschlange ansprach, schafften wir den Weg bis zur Gedächtniskirche spielend leicht und begaben uns neugierig in eines der Kaufhäuser am Kurfürstendamm, nicht wissend, dass dies eines der teuersten Plätze ist.

Ich wollte gern in der Lebensmittelabteilung, die sich als Delikatessenabteilung herausstellte, schnell noch etwas für meine Kinder kaufen. Sehr zögerlich lief ich durch die Regale und wurde von einem großen, sehr sonnengebräunten Mann (wir waren alle blass im November) angesprochen, ob ich aus dem Osten sei. Er lud mich daraufhin ein, mit ihm einkaufen zu gehen. Mir erschien die Sache sehr suspekt und ich spielte beim Anblick des vollen Einkaufskorbes mit dem Gedanken auszureißen. Erst als mein Begleiter 280 Mark für mich bezahlt , mir das Restgeld in die Tasche geschoben hatte und mit fünf großen Einkaufsbeuteln  in ein kleines Kaffee drängte, konnte ich mich etwas beruhigen. Er erzählte mir, dass er der ehemalige Schachmeister der DDR und illegal unter erheblichen Gefahren über die Grenze gegangen sei. Sein Wunsch wäre es, an diesem Tag Gutes zu tun.

Meine Familie zu Hause konnte nicht glauben, was sie sah. Die Nachbarn wurden eingeladen, um die vielen Gaben zu bestaunen und zu naschen. Danach war ich zu Gast an verschiedenen amerikanischen Highschools und wurde immer wieder gebeten über meine Erlebnisse in der Wendezeit zu berichten. Ich habe dann stets meine Präsentation mit dieser Episode beendet und in vielen Gesichtern Tränen der Rührung gesehen.

Ich möchte, dass Herr Reichenbach sich in meinem Bericht wiederfindet und ihm herzlichst danken, dass er mir solch ein bleibendes Wendeerlebnis verschafft hat.

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