Offene Grenze : Das schönste Geburtstagsgeschenk

Am 10. November war Tagesspiegel-Leser Lutz Benkert früh am Morgen Im Bus unterwegs, als er die Nachricht hörte: Die Mauer war offen.

Lutz Benkert

Am Abend des 09.11.1989 trafen meine Frau und ich Vorbereitungen für meinen Geburtstag am nächsten Tag. Danach gingen wir früh schlafen, denn Geburtstag ist ja immer auch anstrengend. Am nächsten Tag  machte ich mich früh auf den Weg zum Bus am Zeltinger Platz in Frohnau. Radionachrichten hatte ich noch nicht gehört. Ich stieg in dem Doppeldecker ganz nach oben und setzte mich in die zweite Reihe. Vor mir saß ein Ehepaar mit zwei Kindern. Ich bemerkte, daß die ganz aufgeregt  alles am Straßenrand kommentierten.

Da wurde mir klar: die waren nicht von hier. Ich fragte sie, wo sie herkämen und die Antwort  haute mich um:  "Aus  Ostberlin über  den Genzübergang  Bornholmer Str., die Grenze ist doch jetzt offen. Unsere Kinder wollten unbedingt mal mit einem Doppeldeckerbus fahren, deshalb sind wir bis Frohnau zur Endhaltestelle  gefahren und wollen jetzt zum Zoo und heute Abend wieder nach Hause. "  Da war mir klar: Wir hatten die Maueröffnung wegen der Vorbereitungen zu meinem Geburtstag verschlafen.  Da ich nicht wusste, ob sie überhaupt  Westgeld hatten, gab ich ihnen einen kleinen Geldschein, wünschte ihnen einen schönen Tag im Westen und musste dann aussteigen. Im Dienst gab es dann an diesem Tag nur ein Thema. Dieser Tag war das schönste Geburtstagsgeschenk in meinem Leben.






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