Olympiastadion : Jubel über ein verkorkstes Hertha-Spiel

Was für ein Fußballspiel! Die Mauer war zwei Tage zuvor gefallen, da spielte Hertha BSC gegen Wattenscheid im Olympiastadion. Zum ersten Mal nach 28 Jahren fieberten Fans aus Ost- wie West-Berlin gemeinsam mit Hertha. Tagesspiegel-Leser Holger Spittel, Hertha-Fan seit 1981, kann sich noch genau an die Stimmung damals erinnern.

Holger Spittel

Hertha BSC und das Wendejahr 1989, das gehört nun wirklich zusammen. Wir haben nämlich zwei Tage nach dem Fall der Mauer, als alle besoffen waren vor Glück, im Olympiastadion gespielt.

Mann, war es vielleicht voll in den BVG-Bussen! Früher gab es ja keine S-Bahn in Spandau, also sind wir mit dem 94er Bus die Heerstraße runter. Unsere  Verwandtschaft aus Dresden war auch plötzlich dabei, die wollten ja was erleben, also habe ich sie mit zu Hertha genommen. Naja. Der Eintritt war für die Fans aus der DDR frei, die mussten nur ihre Ausweise zücken. Überall waren Menschen, Menschen, Menschen, der totale Wahnsinn, Trabis und Wartburgs, Geschnatter und Geknatter. Ich war genervt. Das ist doch nicht mehr meine Hertha!

Mit dem DDR-Pass kamen die Fans gratis zu Hertha

Wir spielten ja damals in der Zweiten Liga, immer so vor 7000 Leuten in der alten Schüssel, dem Olympiastadion. Und an diesem November-Wochenende sollte Wattenscheid 09 kommen, ein Klub aus Bochum. Das war ein absolutes Spitzenspiel, Erster gegen Zweiter, glaube ich, und dann - und dann ist die Mauer gefallen.

Am 11. November kamen also 45 000 Fans ins Stadion und das bei einem Zweitligaspiel, vielleicht waren es noch mehr, der DDR-Pass reicht ja. Hertha war grottenschlecht, ein ganz übles Spiel. 1:1 ging es aus. Später hat mir ein Kumpel mal erzählt, dass der Stadionsprecher alle Berliner Bezirke aufgezählt hat, die aus dem Osten und die aus dem Westen, und jedes Mal irre laut gejubelt wurde. Und wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, dann wurde damals per Lautsprecher auch die Sportsenatorin der Grünen, Sibylle Volkholz, begrüßt. Sie wurde fürchterlich ausgepfiffen, von Wessis und Ossis, so laut war es noch nie bei Hertha. 

Da wusste ich: Geil, die sind ja genauso maulig wie wir hier in West-Berlin. Und am Ende sind wir in die Erste Liga aufgestiegen.

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