SERIE WENDEKalender : 28. März 1989

Ein Berufsverbot, ein Urteil und viel Wirbel um Kohlestaub.

Der Eisenhüttenstädter Rechtsanwalt und Buchautor Rolf Henrich hat Berufsverbot. Das sagte Henrich dem Deutschlandfunk. Sein regimekritisches Buch „Der vormundschaftliche Staat. Vom Versagen des real existierenden Sozialismus“ soll im April bei Rowohlt erscheinen. Das Buch wird später als Initialzündung zur friedlichen Revolution gesehen.

In Ost-Berlin wird der Bundesbürger Gerald Knoch laut ADN wegen Fluchthilfeaktivitäten zu sechs Jahren Haft verurteilt. Fluchthilfe heißt im DDR-Juristenjargon „staatsfeindlicher Menschenhandel“. Knoch habe sich außerdem an „bandenmäßig organisierten Verbrechen gegen die DDR beteiligt“.

In Spandau wächst der Unmut über die massiven Kohletransporte von Staaken nach Kladow. Bis Ende Mai sollen 400 000 Tonnen Kohle aus der Senatsreserve per Lkw „zur Endlagerung“ in eine Kiesgrube gefahren werden. Dort wird die Kohle anschließend verbuddelt, um sie vor weiterer Verwitterung zu schützen. Die Lkw fahren im 90-Sekunden- Takt, den ganzen Tag lang, und ziehen eine Kohlenstaubfahne hinter sich her, die sich auf die Bronchien legt. Der Senat hat bereits ein „Kohlestaub-Beschwerdetelefon“ eingerichtet. loy


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