US-Wahlkampf : Donald Trump zeigt Schwächen

Warum sagt der Frontrunner der Republikaner die letzte TV-Debatte ab? Die wahren Gründe jenseits der Fehde mit Fox-Moderatorin Megyn Kelly.

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Donald Trump
Donald TrumpFoto: REUTERS/Scott Morgan

Er beherrscht wieder die Schlagzeilen. Nicht für ein paar Stunden, sondern gleich für zwei, drei Tage vor der Fernsehdebatte der Republikaner in der Nacht zu Freitag. So gesehen hat Donald Trump abermals alles richtig gemacht, als er seine Teilnahme in Frage stellte. Es ist das letzte Kräftemessen, ehe am Montag die Bürger über ihren Wunschkandidaten abstimmen dürfen. Als die News am Dienstag Abend die Runde machte, spekulierten viele, er wolle nur Aufmerksamkeit. Am Ende werde er doch einlenken - und gleich zwei Mal den Nachrichtenzyklus dominieren, erst durch die Absage, dann durch die Wiederzusage.

Der Macho gegen die Blondine

Trump hat schon mehrfach auf diese Art mit den Medien gespielt. Zudem hat der Konflikt mit dem Sender Fox, der im konservativen Lager nahezu allmächtig erscheint, und Megyn Kelly, einer populären Moderatorin, alles, was es für eine saftige Story braucht: Machotum eines vierschrötigen älteren Mannes gegen ein hübsche, kluge, jüngere Frau von schlanker Figur weit jenseits der akzeptablen Grenzen, gefolgt von Gegenwehr der Frau und sexuellen Andeutungen. Kelly hatte die erste republikanische Debatte am 6. August 2015 in Cleveland, Ohio, moderiert und Trump zu seinen herablassenden Äußerungen über Frauen befragt. Er reagierte ungehalten und deutete später an, Megyn habe wohl Menstruationsbeschwerden gehabt: Er habe überall Blut aus ihr herauskommen sehen.

Als der Sender Fox Kelly erneut als Moderatorin ins Spiel brachte, verlangte Trump, sie von der Aufgabe zu entbinden. Wenn sie moderiere, sage er ab. Alles nur ein Kräftemessen um der Schlagzeilen willen? Doch dann kam die Ansage: Die Entscheidung sei endgültig.

Cruz verlangt ein Rededuell

Das klingt, erstens, nach hohem Risiko - den Konflikt mit einem mächtigen Sender auf die Spitze zu treiben. Zweitens gab er den Konkurrenten um die Präsidentschaftskandidatur Munition in die Hand. Jeb Bush nannte ihn einen Drückeberger. Ted Cruz bezeichnete ihn als Feigling und schlug vor, wenn Trump sich vor einer Moderatorin fürchte, könnten nur sie beiden, Cruz und er, ein Rededuell vor Fernsehkameras abhalten.

Warum erlaubt sich Trump, der die Medien bisher so instinktsicher für seine Interessen einspannte, solche Angriffsflächen?

Trumps Kalkül: Was ist der geringere Schaden?

Sein Kalkül wird verständlicher, wenn man nicht danach fragt, ob er ernsthaft glaubt, dass ihm die Absage nützt - sondern umgekehrt, ob sie ihm weniger schadet als die Teilnahme an der Debatte. Trump hat in den Debatten nämlich bisher gar nicht so gut abgeschnitten. Inzwischen wissen seine Konkurrenten, wo und wie er verbundbar ist. Wenn seine frauenverachtenden Zitate und vorurteilsgeladenen Aussagen über Latino-Zuwanderer aus Mexiko, Mittel- und Südamerika immer wieder zur Sprache kommen, dann kostet ihn das mit der Zeit doch Wählerstimmen.

Trump entzieht sich dieser schwierigen Situation - und inszeniert sein Kneifen auch noch als Kampfbereitschaft.

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