Blog zum Musikfest (4) : Der Weg ans Pult

Ein stolzer Dirigentenreigen tritt in diesem Jahr beim Musikfest Berlin auf. Große Persönlichkeiten mit verschiedenen Begabungen und Schwerpunkten. Wie haben diese Dirigenten ihren Weg ans Pult gefunden?

Andreas Richter
Alan Gilbert
Alan Gilbert leitet seit 2009 das New York Philharmonic Orchestra. Beim Musikfest ist er vom 12. - 14. als Gast der Berliner...Foto: Chris Lee

Viele Wege führen nach Rom oder auch zum Dirigentenpult. Passend zum alten Witz – „Wie komme ich zur Carnegie Hall?“ – „Üben, üben, üben“ kann man sich fragen, wie man eigentlich zum Dirigenten wird. Natürlich gibt es entsprechende Studiengänge. Aber der Taktstock ist kein Instrument und ohne ein Orchester ist ein Dirigent sinnlos. So wundert es nicht, dass die allermeisten Dirigenten vor und parallel zu Dirigierstudien sich auch immer als Instrumentalisten ausbilden lassen. Manche bleiben mit einer Doppelbegabung lebenslang präsent wie Daniel Barenboim, der sich freilich zu diesem Musikfest eine andere Pianistin der Weltklasse eingeladen hat, nämlich Martha Argerich.

Der in Deutschland übliche Karriereweg ans Dirigentenpult führt in der Tat, auch wenn man auf dem Instrument gar keine Solistenlaufbahn anstrebt, über das Klavier, weil hierzulande Dirigenten oft als Korrepetitor in Opernhäusern anfangen. Das heißt, sie studieren mit den Sängern deren Partien ein und begleiten auf musikalischen und szenischen Proben, dürfen dann bisweilen auch Vorstellungen nachdirigieren, bis sie sich einen Kapellmeistervertrag erarbeitet haben. Schließlich führt der Weg über die Position des Generalmusikdirektors auch aufs Konzertpodium und als Gast zu anderen Opernhäusern bis zu den ganz berühmten wie der Met oder der Scala. Diesen in deutschsprachigen Ländern üblichen Weg haben beispielsweise Marek Janowski und auch Donald Runnicles mit großem Erfolg zurückgelegt. Vorteil dieser Laufbahn ist vielleicht eine große Routine, eine sehr gründliche Repertoirekenntnis und vielleicht auch ein besonderes Verständnis der Musik von der Gesangslinie, also der menschlichen Stimme her.

Die Dirigenten
Daniel Barenboim.Weitere Bilder anzeigen
1 von 14Foto: Monika Rittershaus
04.09.2013 11:21Seit 21 Jahren leitet Daniel Barenboim die Geschicke der Berliner Staatsoper. Mit seiner Staatskapelle ist er am 15. September in...

Andere kommen aus dem Orchester, waren Musiker dort bevor von der Geige zum Taktstock wechselten. So war Manfred Honeck Geiger bei den Wiener Philharmonikern und Alan Gilbert war ebenfalls Geiger bei Orchestern in Philadelphia und Santa Fe, bevor er zu dirigieren begann. Es ist am Anfang sicher nicht einfach, von ehemaligen Kollegen - ob gar im eigenen oder auch in anderen Orchestern - nun als Dirigent akzeptiert zu werden. Aber von Vorteil ist bestimmt, dass man die Perspektive der Musiker gut kennt und sehr genau selbst erlebt hat, was ein Dirigent alles falsch machen kann. Und natürlich kann ein Geiger den Streichern im Orchester sehr genau seine Vorstellungen an Phrasierung und Artikulation mitteilen, denn er weiß ja wie es gespielt werden sollte.

Andere stehen insofern in der Tradition des 18. und 19. Jahrhunderts, als dass sie selbst Musik schreiben. Während freilich die meisten historischen Berichte einen an den dirigentischen Fähigkeiten von Beethoven zweifeln lassen, gehören Esa-Pekka Salonen und James Wood zu den Doppelbegabungen, die sich vielleicht gerade das innere Wissen um die Musik und das antizipieren von Klängen und Strukturen auch bei der Interpretation fremder Werke zu Eigen machen.

Auch Dirigenten brauchen Lehrer und in ihrem Fach gibt es einige ganz herausragende Meister, die oft selbst als Dirigent nicht die Weltkarriere gemacht haben. Ein Beispiel ist Ilja Musin aus St. Petersburg, der Lehrer von Teodor Currentzis und Tugan Sokhiev ist wie auch z.B. von Valery Gergiev. Oder Jorma Paluna in Helsinki, der neben Esa-Pekka Salonen mehrere Generationen nordischer Dirigenten hervorgebracht hat. Und einer der ganz großen Meister der älteren Generation war Hans Swarowsky in Wien, der neben Claudio Abbado und Zubin Metha auch Mariss Jansons ausbildete – diesen am 6.9. mit dem Concertgebouw Orchestra zu versäumen wäre schon deshalb fahrlässig, weil er eben diese alte große Tradition als Dirigent verkörpert, die bis auf Richard Strauss und Herbert von Karajan zurück geht.

Für das Konzert mit Mariss Jansons gibt es im Tagesspiegel-Ticketshop Karten mit 20% Ermäßigung unter http://s1.tagesspiegel.de/tickets/musikfest-06-09-2013.html

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