Blog zum Musikfest Berlin (9) : Digital oder live?

Wie lässt sich Musik in Zukunft erleben? Weiterhin live im Konzertsaal oder doch über einen Bildschirm dank Internetverbindung? Die Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker zeigt, wie sie aussehen könnte, die Zukunftsmusik.

Andreas Richter
Screenshot der Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker.
Screenshot der Digital Concert Hall der Berliner Philharmoniker.Foto: Berlin Phil Media

Wird das Internet zum dominierenden Erlebnisraum der Menschen nicht nur für Informationen und soziale Kontakte sondern auch für Kunst und Musik? Komplexe Fragen stehen zur Diskussion und bekommen immer wieder überraschende Wendungen: Sind mehr und schnellere Informationen weltweit greifbar wirklich auch immer korrekt und brauchbar? Birgt der Zugewinn an Kontaktmöglichkeiten auch die Gefahr realer Vereinsamung? Zerstören kostenfreie Informationsangebote die gewachsene Zeitungslandschaft und damit auch den für eine Demokratie unabdingbaren unabhängigen Journalismus? Sind die gesteigerten Konsummöglichkeiten auch eine Marketingfalle? Wie werden sich das Leben und der Mensch an sich verändern in einer weiter digitalisierten Welt?

Auch im Musikleben gibt es gravierende Veränderungen: Der CD-Markt ist geschrumpft und damit auch Finanzierungsmöglichkeiten der Orchester und Künstler. Im Internet findet man heute fast jede Musik und jeden Künstler online, aber wie wird das dann rezipiert? Wird irgendwann das Konzert als Ereignis sich verändern oder verschwinden? Bleibt ein Konzert auch als soziales oder repräsentatives Ereignis bestehen? Es scheint mir bisweilen, wir befinden uns in einer großen Übergansphase mit sehr ungewissem Ausgang. Vieles wird parallel experimentiert, auch in den Angeboten der verschiedenen Orchester und Internetportale. Vorreiter sind hier bekanntlich – und das nicht zum ersten Mal, wenn man an Karajans Neuerungen im Bereich der Aufnahmen denkt – die Berliner Philharmoniker, die nun seit 2008 ein flächendeckendes Konzertangebot im Internet anbieten, die sogenannte Digital Concert Hall.

Dort gibt es Abonnements wie auch im realen Leben, aber in der virtuellen Philharmonie kann man frei wählen, wann und mit wem man sich ein Konzert anschaut, mit dem Glas Rotwein daneben und einer Tüte Chips, ohne den Sitznachbarn in der Philharmonie zu stören. Ich fände eine Untersuchung darüber interessant, ob sich das Hörverhalten wesentlich unterscheidet und verändert, wenn ein Musikliebhaber Konzerte in Zukunft im Internet verfolgt statt im Saal zu sitzen.

Und Sie, liebe Leser, können sich gleich am folgenden Wochenende an dieser Untersuchung beteiligen: Zum Konzertprogramm der Philharmoniker zum Musikfest unter der Leitung von Alan Gilbert bietet der Tagesspiegel exklusiv 100 Freizugänge am Samstag, den 14. September 2013 an. Falls Sie vorher am 12. oder 13. das gleiche Programm schon in Berlin live hören können, schicken Sie uns doch Ihren vergleichenden Bericht. Für alle Nicht-Berliner rund um den Globus ist die Digital Concert Hall freilich ein attraktives Angebot, die philharmonischen Konzerte live von jedem Ort der Erde – Internetzugang vorausgesetzt – zu hören und sehen, da bietet das Internet natürlich ganz neue Möglichkeiten.

Wenn Sie einen 48-Stunden Code für die Digital Concert Hall für das Konzert am 14.9.2013 wünschen, schicken Sie bitte eine E-Mail mit dem Stichwort „Digital Concert Hall“ an musikfest@tagesspiegel.de

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