Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin : Unter die Oberfläche dringen

"Das Wesentliche ist die Musik" lautet das Motto des Berliner Rundfunk-Sinfonieorchesters samt Chefdirigent Marek Janowski. Die Musiker haben drei Werke des 20. Jahrhunderts ausgewählt, die von bewegender Ernsthaftigkeit geprägt sind.

Rundfunk Sinfonieorchester Berlin
Kein anderer Radio-Klangkörper ist älter als das Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin, das 1923 gegründet wurde.Foto: Kai Bienert

Fünfzehn Symphonien hat Dmitri Schostakowitsch geschrieben. Dass keine der anderen gleicht, jede ihr eigenes, unverwechselbares Gesicht hat, weist den russischen Komponisten als Symphoniker in der Tradition Beethovens und Mahlers aus. Ob symphonische Werke programmatische Titel tragen, durch gesungenen Text gar eindeutige außermusikalische Bezugspunkte herstellen dürfen oder nicht, scherte Schostakowitsch wenig. Für ihn war Komponieren eine der Sprache ebenbürtige Ausdrucksform, deren mannigfaltigen, keineswegs immer eindeutigen kommunikativen Möglichkeiten er auf subtile Art und Weise nachspürte.

Mit seiner 1962 in Moskau uraufgeführten „13. Symphonie“ hat Schostakowitsch laut Anklage gegen den Antisemitismus in der Sowjetunion erhoben. Welchen politischen Zündstoff das Werk damit bot, war allen Beteiligten bewusst: Ein langjähriger künstlerischer Weggefährte des Komponisten lehnte es unter fadenscheinigen Gründen ab, Schostakowitschs „13. Symphonie“ aus der Taufe zu heben, der Gesangssolist meldete sich wenige Stunden vor der Uraufführung krank. Die Angst saß tief!

Einen denkwürdigen Gegenpol zu der von Marek Janowski geleiteten Aufführung der „13. Symphonie“ Schostakowitschs bildet Isabelle Fausts Interpretation von Karl Amadeus Hartmanns „Concerto funebre“ für Violine und Streichorchester, unter dessen Partitur der Komponist vermerkte: „Geschrieben in den ersten Kriegstagen September/November 1939.“ Ein brisantes Konzertprogramm also, auf dem auch Musik aus der Feder Béla Bartóks steht.

Die Orchester
Philharmonia Orchester LondonWeitere Bilder anzeigen
1 von 11Foto: Richard Haughton
05.09.2013 12:18Das Philharmonia Orchester London kann auf eine fast 70-jährige, ebenso bewegt wie erfolgreiche Geschichte zurückblicken. Am 9....

Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin

Donnerstag 05.09.2013, 20:00, Philharmonie

Béla Bartók [1881-1945]
Vier Stücke für Orchester op. 12 [1912/21]

Karl Amadeus Hartmann [1905-1963]
Concerto funèbre
für Solo-Violine und Streichorchester [1939]

Dmitri Schostakowitsch [1906-1975]
Sinfonie Nr. 13 „Babi Yar“ b-Moll op. 113 [1962]
für Bass, Männerchor und Orchester
Aufführung in deutscher Sprache

Isabelle Faust Violine
Günther Groissböck Bass
Estnischer Nationaler Männerchor
Mikk Üleoja Einstudierung
Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin
Marek Janowski Leitung

Eine Veranstaltung des Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin in Kooperation mit Berliner Festspiele / Musikfest Berlin
Einführung 18:45 Uhr

© Mark Schulze Steinen/Berliner Festspiele

0 Kommentare

Neuester Kommentar