Aufsässiges Pressing zur Unzeit : Joachim Löw über die kommenden Länderspiele

Eigentlich mag Joachim Löw das Wort Kampf nicht so gern in Zusammenhang mit Fußball bringen, aber als Einstimmung seines Personals auf die anstehenden drei Länderspiele darf es vielleicht als Motto herhalten.

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Trainer, angesäuert. Joachim Löw hat so seine Probleme mit dem internationalen Terminkalender.
Trainer, angesäuert. Joachim Löw hat so seine Probleme mit dem internationalen Terminkalender.Foto: dpa

Berlin - Die Verquickung von Kommerz und Fußball hat in der jüngeren Vergangenheit manch Albernheit hervorgebracht, insbesondere bei der Namensgebung für Fußballarenen. So steht in Duisburg etwa die Schau-ins-Land-Reisen-Arena. Jene in Frankfurt, die vornehmlich vom ansässigen Bundesligaabsteiger Eintracht genutzt wird, heißt konsequenterweise gleich Commerzbank-Arena. In ihrem Hinterland aber befindet sich ein 2006 saniertes Areal samt rasenbeheiztem Sportfeld, das auf den wundervoll altmodischen Namen „Kleine Kampfbahn“ hört.

Eigentlich mag Joachim Löw das Wort Kampf nicht so gern in Zusammenhang mit Fußball bringen, aber als Einstimmung seines Personals auf die anstehenden drei Länderspiele darf es vielleicht als Motto herhalten. Jeder einzelne Nationalspieler hat seinen eigenen, kleinen Kampf auszutragen mit der Trägheit des Nichtstuns. Was gar nicht so einfach ist, eingedenk der aberwitzigen Terminierung. Der internationale Rahmenkalender sieht für die erste Juniwoche zwei EM-Qualifikationsspiele vor, lange nach Saisonschluss. Diesen Sonntag schon steht das Testspiel gegen Uruguay an. Zwei Wochen liegt das Bundesligafinale zurück, die Spieler befinden sich in einer körperlichen wie mentalen Auslaufphase. Und nun müssen sie das Kunststück fertigbringen, alle Energien wieder hochzufahren. „Der Rahmenkalender ist ja allen bekannt gewesen, aber ich bin auch der Meinung, das könnte man optimieren“, sagt Joachim Löw, will aber nicht weiter darauf eingehen.

Der Bundestrainer hat in weiser Voraussicht an alle Spieler individuelle Trainingspläne ausgeben lassen. Manch einer habe ein bisschen Tennis gespielt, ein anderer sei mit dem Rad unterwegs gewesen. „Das ist auch der Preis als Nationalspieler, dass ich solche Spiele wie jetzt habe, um dann bei den großen Turnieren dabei sein zu können“, sagt Löw und will sich nicht länger über die Terminierung ärgern. Das Testspiel gegen Uruguay wolle man nutzen, um „nach der ungewohnten Situation mental hochzufahren und in die Gänge zu kommen“, sagt er. Und: „Alles, was wir ab jetzt tun, wird auf den nächsten Freitag ausgerichtet sein.“

Am nächsten Freitag bestreitet die deutsche Mannschaft ein vorentscheidendes Qualifikationsspiel zur EM 2012 in Wien gegen Österreich. Vier Tage später geht es in Baku gegen Aserbaidschan ebenfalls um Qualifikationspunkte. „Wir wollen mit zwei Siegen das Tor zur EM ganz weit aufstoßen“, sagt Löw, dessen Team nach bisher fünf Siegen und einem Torverhältnis von 17:1 klarer Tabellenführer ist.

„Wir gehen die Spiele konzentriert an, nur so haben wir eine Chance“, sagt Löw. Dann referierte der Bundestrainer kurz über die unterschiedlichen Charakteristika der drei kommenden Länderspielgegner. Vor allem die Südamerikaner haben es Löw angetan, schließlich standen sich beide Mannschaften im kleinen Finale der WM im vergangenen Jahr gegenüber. „Sie haben vielleicht das beste Zweikampfverhalten aller Nationen.“ Löw spricht von einem „aufsässigen Pressing“. Uruguay sei nicht zufällig die Nummer sieben der Welt. Sie spielten körperbetont, gepaart mit hohen technischen Fertigkeiten und einer glänzenden Offensive um Forlan, Suarez und Cavani.

Dass der deutschen Elf einige Stammkräfte wie Per Mertesacker, Bastian Schweinsteiger und eventuell auch Sami Khedira fehlen werden, sei kein Problem. Man habe genügend Alternativen, „letztlich wissen alle Spieler, welche Aufgaben anstehen“. Schon am Sonntag, im Stadion Sinsheim, in der Dietmar-Hopp-Straße 1.

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