Bundestrainer Joachim Löw : Teils getroffen, teils ermüdet

Joachim Löw äußert sich erstmals seit dem EM-Aus. Von der Wucht mancher Vorwürfe zeigt sich der Bundestrainer teils getroffen, teils ermüdet – von seinem Konzept aber will er nicht abweichen.

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Bundestrainer Joachim Löw hat die Kritik an der Nationalmannschaft missfallen.
Bundestrainer Joachim Löw hat die Kritik an der Nationalmannschaft missfallen.Foto: dpa

Joachim Löw würde einen prima Leitwolf abgeben: einen, der seine Jungs gegen alle Widerstände verteidigt, bei Kritik nicht einknickt, sondern sich erst recht herausgefordert fühlt und gerade in schwerer Zeit, wie man so schön sagt, Zeichen setzt. Leider hat der Leitwolf in der Welt des Joachim Löw keinen Platz mehr. An der zyklisch auftretenden Jammerdebatte über fehlende Führungsspieler und ausgestorbene Leitwölfe im deutschen Fußball will er sich künftig jedenfalls nicht mehr beteiligen. Sie gehört zu den Themen, die Löw nach eigener Aussage immer mehr ermüden. „Viele Mannschaften mit ihren klassischen Führungsspielern sind bei der EM lange vor uns nach Hause gefahren“, sagt der Bundestrainer.

Seine Mannschaft hat es immerhin ins Halbfinale geschafft. Aber was heißt das schon: immerhin? Das große Publikum hat das Abschneiden der deutschen Fußballer bei der EM eher als Enttäuschung empfunden. Löw stimmt mit dieser Deutung offensichtlich nur bedingt überein. Natürlich weiß er, dass sich das Turnier angesichts der allgemeinen Erwartungen im Nachhinein nur schwer zum Erfolg umdeuten lässt, aber als Bundestrainer zählen für Löw Fakten mehr als Emotionen. Wie sehr ihn das Ausscheiden im Halbfinale angefasst hat, wie sehr er sich selbst dafür ihn die Pflicht nimmt – das behält er weiterhin für sich.

Video: Wütender Löw rechnet mit Kritikern ab

46 Tage sind seit der Niederlage gegen Italien vergangen, 45 davon hat sich Löw der Öffentlichkeit entzogen. Am Montagmittag sitzt er in einem Zelt neben der Frankfurter Arena, in der die deutsche Mannschaft am Mittwoch gegen Argentinien spielt. Es ist das erste Mal seit dem Rückflug aus Polen, dass sich der Bundestrainer wieder äußert. „Die sportliche Kritik nehme ich an, mit allem Verständnis und mit aller Demut“, sagt er. Doch demütig wirkt Löw keineswegs, eher entschlossen und angriffslustig.

Seit sechs Jahren ist Löw Bundestrainer, er weiß natürlich, dass es in diesem Amt auch auf die Wirkung ankommt. Sein Auftritt ist entsprechend perfekt vorbereitet und mit seinen PR-Beratern abgestimmt. Löw spricht zwar frei, doch manchmal merkt man, wie er nach einem abgehandelten Thema im Kopf den nächsten Komplex aufruft, der auf seinem imaginären Spickzettel steht. 25 Minuten dauert der Monolog. Als Löw fertig ist, fragt Pressesprecher Harald Stenger: „Gibt es noch Fragen?“

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