Deutschland gegen Brasilien : Mario Götze glänzte wie einst Beckenbauer

Mario Götzes Spiel gegen Brasilien zeigt die guten Perspektiven der jungen DFB-Elf. Joachim Löws einziges Problem ist das Alter seines besten Stürmers.

Oliver Fritsch
Auf dem Weg zum Premierentor. Maro Götze. Foto: dapd
Auf dem Weg zum Premierentor. Maro Götze.Foto: dapd

Nach dem Sieg gegen Brasilien wurde Mario Götze gefragt, was er gegen die Gefahr tue, abzuheben. Das ist eine klassisch deutsche Sorge. Der beste Akteur des anspruchsvollen Freundschaftsspiels konnte mit seinen besonnenen Antworten alle beruhigen. Im Spiel zuvor hatte Götze jedoch einiges dafür getan, dass mancher Experte nun Gefahr läuft, die Bodenhaftung zu verlieren.

Von Götzinho, dem weißen Brasilianer, künden nun viele Schlagzeilen. Mancher mag im Geiste schon die Titel zählen, die Deutschland im nächsten Jahrzehnt dank des 19-Jährigen gewinnen wird. Erfahrene Journalisten, die Götze in Stuttgart spielen sahen, bekamen einen Glanz in die Augen, den man zuletzt 1966 beobachten konnte, als Franz Beckenbauer erstmals die große Fußball-Bühne betrat.

Die meisten Angriffe wurden erst durch Götzes Pässe und Dribblings gefährlich. Immer wieder setzte er seine Nebenleute in Szene. In der ersten Halbzeit gelang ihm gar auf einem Raum, so klein wie eine Nadelspitze, ein Doppelpass mit Christian Träsch. Ein Tor aus ungünstigem Winkel schoss Götze auch.

Leichtfüßige Brillanz prägt Götzes Stil. Nur sehr schwer können ihn Gegenspieler vom Ball trennen, seine nächste Richtungsänderung ist von ihnen kaum zu ahnen. Jederzeit kann er unvermittelt das Tempo erhöhen, selbst im defensiven Zweikampf ist er sehr geschickt. Philipp Lahm hat er den Status des technisch besten Deutschen genommen. Es gehört nicht viel dazu, Götze, der noch kein Stammspieler in der Nationalelf ist, jetzt eine Weltkarriere vorauszusagen.

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Verdienter Jubel: Deutschland gewinnt erstmals seit 18 Jahren wieder gegen Brasilien. Foto: dpaAlle Bilder anzeigen
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10.08.2011 22:21Verdienter Jubel: Deutschland gewinnt erstmals seit 18 Jahren wieder gegen Brasilien.

Damit sind wir bei den spannenden Fragen, die sich dem Bundestrainer spätestens nach diesem Sieg stellen: Wie baut Jaochim Löw die jungen Nachrückenden in seine Elf ein, die ohnehin schon jung ist und die bei der WM im Vorjahr glänzte? Wann läuft etwa André Schürrle, Torschütze zum 3:1, Lukas Podolski, der diesmal harmlos blieb, den Rang ab? Erhält Toni Kroos, gegen Brasilien Vorlagengeber zu den ersten zwei Treffern, dauerhaft den Vorzug vor Sami Khedira?

In der Hinterhand hat Löw zudem die jungen Schalker Lewis Holtby und Julian Draxler sowie die Dortmunder Reihe: Sven Bender, Kevin Großkreutz und Ilkay Gündogan – allesamt Hochtalentierte. "Sehr Junge machen den Jungen Druck, das ist gut für mich", sagte Löw nach dem Spiel. Er wird auf Jahre aus einem Überangebot an technisch versierten Fußballern schöpfen können.

Dank dieser Perspektive dürfte das deutsche Team bald ebenbürtig mit den Spaniern sein, dem aktuell besten Team der Welt. Brasilien, das vor fünf Jahren unschlagbar schien, hat Deutschland technisch ein- und taktisch überholt. Der Unterschied war in Stuttgart größer als ein Tor, das gab auch Brasiliens Trainer Mano Menezes zu. Ein Ergebnis der kontinuierlichen Entwicklung, die die DFB-Elf unter Löw genommen hat.

Gegen Brasilien war auch zu sehen, dass die deutsche Mannschaft von einem 33-jährigen Stürmer abhängig ist. Erst mit Miroslav Klose schaffte sie den Durchbruch in die Zonen, in denen im Fußball die Tore fallen. Nach seiner Einwechslung zur Pause gelang ihm zwar weder ein Tor, noch eine direkte Vorarbeit. Doch es war kein Zufall, dass die drei Tore erst dann fielen, als er auf dem Platz war.

Die ersten beiden Treffer ermöglichte er durch seine Laufwege. Vor dem 1:0 zog er auf den linken Flügel, vor dem 2:0 auf die zentrale Position vor der Abwehr. Beide Male band er seinen Gegenspieler, beide Male ließ er den Ball präzise auf einen Mitspieler prallen. Dass Götze beim 2:0 von Kroos so leicht freigespielt werden konnte, war der Verdienst Kloses.

Klose ist der ideale Stürmer für Löws Spiel. Er öffnet Räume für Mitspieler, mit dynanischem und stets wachem Freilaufen zerschneidet er Abwehrreihen, bietet Anspielstationen in der Tiefe, bindet sich in Kombinationen ein, bespielt alle Winkel in der Offensive, erkämpft viele Bälle. Mit ihm kamen Tempo und Präzision ins Angriffsspiel. Der Sieg in Stuttgart wird den Bundestrainer an seiner Vorliebe für Klose bestärkt haben. Er war das Bindeglied zwischen jugendlicher Eleganz und dem Erfolg.

Es scheint in der Euphorie über die Qualität der deutschen Jugend unterzugehen, dass kein Stürmer in unmittelbarer Sicht ist, der Klose ersetzen könnte. Der Bundesliga-Torschützenkönig Mario Gomez mag torgefährlicher sein, jedoch nur, wenn er den Ball hat. Dazu ließen es die Brasilianer nicht kommen. Nicht mal in der Talentschmiede des BVBs gibt es einen deutschen jungen Stürmerstar. Löw steuert auf ein Problem zu, denn es wird ihm nicht gelingen, den 33-jährigen Klose ewig fit zu halten. Vielleicht kann der Bundestrainer eines seiner jungen Mittelfeldtalente zu einem Stürmer umschulen. Vielleicht kann Götze irgendwann auch das.

Mit freundlicher Unterstützung von Zeit Online

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