Formsuche : Michael Ballack: Der Teilzeitkapitän

Während Michael Ballack an der 3:6-Schmach seines Vereins Bayer Leverkusen knabbert, deutet sich ein Kompromiss im Nationalteam an.

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Angeschlagen. Michael Ballack präsentierte sich mit Leverkusen bei der 3:6-Pleite gegen Mönchengladbach in einer schwachen Verfassung.
Angeschlagen. Michael Ballack präsentierte sich mit Leverkusen bei der 3:6-Pleite gegen Mönchengladbach in einer schwachen...Foto: ddp

Zumindest verschlug es den Leverkusenern nicht die Sprache. Gleich nach dem 3:6 gegen Mönchengladbach am zweiten Bundesligaspieltag begannen sie, das Erlebte aufzuarbeiten. „Es gibt solche Tage, wo gar nichts geht. Und bei der anderen Mannschaft geht dann auch noch jeder Schuss in den Winkel“, sagte Bayer Leverkusens Sportchef Rudi Völler. Und Torhüter René Adler fügte hinzu: „So darf man in der Bundesliga nicht auftreten, und ich denke, dass wir nie wieder so auftreten werden.“ Das Entsetzen Adlers war verständlich, die Leverkusener Niederlage gegen Mönchengladbach verdient in mehrfacher Hinsicht das Attribut historisch.

Einerseits hat Leverkusen in einem Bundesligaheimspiel nie zuvor so viele Gegentore kassiert. Andererseits hat man die Mannschaft, die in der Vorsaison erst am 25. Spieltag die erste Niederlage kassiert hatte, seit Menschengedenken nicht derartig schlecht spielen sehen. Bayers Trainer Jupp Heynckes sah den Quell des Unheils im Mittelfeld. Als erste Spieler nahm er nach einer Stunde Michael Ballack und Tranquillo Barnetta vom Platz. Am populären Thema Ballack, das Heynckes ziemlich auf die Nerven geht, kam der Coach somit wieder nicht vorbei. „Es war ein Spiel, in dem ich jeden Spieler hätte auswechseln können“, sagte Heynckes. „Dennoch habe ich Michael Ballack ausgewechselt. Er braucht noch Spiele, er braucht noch Fitness. Ich denke, ich habe genau das Richtige getan.“

Ob Ballack dies genauso sieht, war nicht in Erfahrung zu bringen. Im Gegensatz zu seinen Teamkollegen sprach er nach der Niederlage kein Wort. Der 33-jährige Bayer-Rückkehrer erlebte einen verheerenden Nachmittag. Auch mit Fantasie konnte man sich Ballack – im fitteren Zustand – schwer als funktionierenden Bestandteil der Mannschaft vorstellen. Er versuchte, wie es seine ehrgeizige Art ist, das Spiel im Mittelfeld an sich zu reißen. Allerdings sieht das flexible und schnelle Bayer-System gar keinen Dirigenten vor. Ballack bewegte sich somit oft ohne Orientierung im Mittelfeld, stieß ein paar Mal sogar mit Mitspielern zusammen. Er wird hart an sich arbeiten müssen, um seinen Platz in der Mannschaft zu finden und sie zu bereichern. Die unfreiwillige Länderspielpause kann ihm also gut tun.

Trösten wird es den nicht nominierten „Capitano“ vielleicht, dass ihn Bundestrainer Joachim Löw wohl zunächst nicht des Kapitänsamtes entheben wird. Vor den anstehenden EM-Qualifikationsspielen deutete Löw an, er könne sich auf dem Weg zur EM 2012 mehrere Kapitäne vorstellen. Der Bundestrainer hat damit erstmals eine mögliche Kompromisslösung angedeutet. Nationalstürmer Miroslav Klose erinnerte derweil an die interne Abmachung, die nach dem WM-Ausfall von Ballack getroffen worden war. „Wenn alles so kommt wie abgesprochen, wird Ballack wieder Kapitän“, sagte er dem „Kicker“. Heute trifft sich das Nationalteam in Frankfurt am Main, von wo es um EM-Qualifikationsspiel am Freitag nach Brüssel geht. Für Klose sei Ballack ganz sicher der Kapitän, „wenn er wieder dabei ist“. Fragt sich nur, wann Ballack von Löw wieder eingeladen wird.

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