Länderspielduelle gegen Österreich : Das Nichtwunder von Cordoba

Seit 34 Jahren feiert Österreich einen WM-Sieg gegen Deutschland – dabei war der nur logisch. Eine richtige Schmach gab es Jahrzehnte zuvor. Ein Rückblick auf historische Duelle.

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Der "Tiger" springt vergeblich: Walter Zeman, Torwartlegende von Rapid Wien, scheidet mit der österreichischen Nationalmannschaft bei der WM '54 gegen Deutschland im Halbfinale aus. Auch den zweiten Elfmeter von Fritz Walter (l.) kann er nicht parieren – 5:1. Am Ende siegt Deutschland mit 6:1.Alle Bilder anzeigen
11.09.2012 17:50Der "Tiger" springt vergeblich: Walter Zeman, Torwartlegende von Rapid Wien, scheidet mit der österreichischen Nationalmannschaft...

Mit Wundern ist das so eine Sache. Sie geschehen nicht allzu oft, und damit sie nicht in Vergessenheit geraten, muss schon regelmäßig an sie erinnert werden. In Wort und Bild und gern auch auf Straßenschildern. In Wien gibt es seit drei Jahren einen Cordobaplatz, er stößt im Stadtbezirk Floridsdorf an Edi-Finger-Straße. Im argentinischen Cordoba gewann die österreichische Fußball-Nationalmannschaft bei der Weltmeisterschaft 1978 3:2 gegen Deutschland, was den Fernsehkommentator Edi Finger zu seiner legendären „I werd narrisch!“- Rede inspirierte. Seliges Österreich! Wann immer es gegen die ungeliebten Piefkes geht, wird der Geist von Cordoba beschworen, selbstverständlich auch vor dem Spiel am Dienstag in Wien.

Bei jenem Spiel vor 34 Jahren ging es im Grunde um nichts: Das Finale wäre für die Deutschen nur bei einer aberwitzigen Ergebniskonstellation möglich gewesen, das Spiel um Platz drei hätte es noch werden können, aber das hat schon damals niemanden interessiert. Eine mäßig talentierte deutsche Mannschaft, die in der Vorrunde mit Mühe Tunesien ein 0:0 abtrotzte, verlor gegen ein Österreich, das seine Vorrundengruppe vor Brasilien gewonnen hatte. Weiß der Himmel, warum die einen dieses Spiel als Schmach und die anderen als Wunder interpretierten.

Lange vor Cordoba waren die Österreicher für die Deutschen mal das Maß aller Dinge. In den frühen dreißiger Jahren, als die schon professionell organisierten Wiener Klubs eine fantastische Generation von Fußballspielern hervorbrachten, vom Wundertorwart Rudi Hiden bis zum Wunderstürmer Matthias Sindelar. Praktischerweise und ganz unbescheiden nannten die Österreicher ihre Nationalmannschaft Wunderteam. 1931 reisten sie zum Gastspiel nach Berlin. In Deutschland machte man sich ein wenig lustig über die österreichischen Kaffeehausfußballer, doch beim Spiel im Grunewaldstadion lachte dann keiner mehr. Schon zur Pause stand es 0:3, und am Ende waren die Deutschen mit sechs Gegentoren und der bis heute höchsten Heimniederlage in ihrer Länderspielgeschichte gut bedient.

Bis zur erfolgreichen Revanche vergingen drei Jahre und eine weitere Pleite (0:5 in Wien). Bei der WM 1934 in Italien hatten die Österreicher im Halbfinale den von Diktator Benito Mussolini bestochenen Schiedsrichter gegen sich, auf dass die Italiener beim 1:0-Sieg ungestraft den genialen Sindelar zusammentreten durften. Sindelar fehlte also im Spiel um Platz drei gegen die Deutschen, die vor Anpfiff stets mit erhobenem rechten Arm antraten und mit schöner Regelmäßigkeit niedergebrüllt wurden – trotz der von Mussolini und Adolf Hitler dekretierten Völkerfreundschaft. Dass die Zuschauer in Neapel dennoch das Führungstor des Augsburgers Ernst Lehner bejubelten, war einem Versehen geschuldet. Die weißen Trikots der Deutschen ähnelten den Leibchen, die sonst die Österreichischer tragen, sodass die Fans Orientierungsprobleme hatten. Nach einer halben Stunde unterbrach der Schiedsrichter das Spiel zu einem ungewöhnlichen Losentscheid. Die Österreicher verloren und fügten sich in den blauen Leibchen des neapolitanischen Lokalvereins in ihre 2:3-Niederlage.

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