Löw und die Nationalelf : Geschichte schreiben

Bundestrainer Joachim Löw will heute Abend Österreich schlagen und mit der Nationalmannschaft ohne Punktverlust durch die Qualifikation gehen.

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Erfolgstrainer: Joachim Löw fehlt allerdings noch ein Titel mit dem Nationalteam.
Erfolgstrainer: Joachim Löw fehlt allerdings noch ein Titel mit dem Nationalteam.Foto: dpa

Bastian Schweinsteiger hat sich beim letzten Länderspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Österreich unmöglich gemacht. Aber das ist ihm egal gewesen. Für jemanden, der wie Schweinsteiger unweit der österreichischen Grenze aufgewachsen ist, sind diese Nachbarschaftsduelle noch ein bisschen besonderer als ohnehin schon, also ist er aufgesprungen und hat laut gejubelt, als Mario Gomez im Juni, beim Hinspiel der EM-Qualifikation, in letzter Minute das 2:1 für seine Mannschaft erzielte. Nur dass Schweinsteiger wegen einer Verletzung nicht in Wien auf dem Platz stand, sondern die Begegnung bei 30 Grad im Schatten am Strand in Miami via Liveticker verfolgt hat. „Die Leute haben ein bisschen komisch geguckt“, sagt der Münchener.

Schweinsteigers Freude dürfte kaum weniger enthusiastisch geraten, wenn die Nationalmannschaft heute in Gelsenkirchen auch das Rückspiel gegen die Österreicher gewinnt. In diesem Fall wäre das Team von Joachim Löw bereits zwei Spieltage vor Schluss für die Europameisterschaft in Polen und der Ukraine qualifiziert. „Ich glaube, dass wir nichts anbrennen lassen“, sagt der Bundestrainer. Selbst ein Unentschieden sollte reichen, es sei denn, die Türkei gewinnt ihrerseits alle vier noch ausstehenden Begegnungen und besiegt die Deutschen im Rückspiel mit mehr als drei Toren Unterschied.

Mit solchen Rechnungen aber will sich die Mannschaft ab dem späten Freitagabend nicht mehr beschäftigen müssen. Nach sieben Siegen aus den ersten sieben Qualifikationsspielen strebt die Mannschaft nun das Maximum an. „Das ist auch mal ein Ziel: in der Qualifikation alle Spiele zu gewinnen“, sagt Bundestrainer Löw. Nach Österreich heißen die Gegner seines Teams im Oktober noch Türkei und Belgien, und sollte die Mannschaft ihr Vorhaben wahr machen, hätte sie etwas geschafft, was es im deutschen Fußball noch nicht gegeben hat.

Es ist weniger Größenwahn, der aus solchen Ambitionen spricht, als der Versuch, die Spannung weiter hoch zu halten. „Wir dürfen nicht den Fehler machen, den wir 2007 gemacht haben“, sagt Oliver Bierhoff, Manager der Nationalmannschaft. Auch damals sicherten sich die Deutschen zwei Spieltage vor Schluss die Qualifikation für die EM. Anschließend verloren sie zu Hause 0:3 gegen Tschechien und kamen gegen Wales zu einem glücklichen 0:0. „Da ist ein kleiner Schlendrian reingekommen, der sich durch den Rest der Länderspiele bis zur EM 2008 durchgezogen hat“, erinnert sich Bierhoff. Manche sagen, selbst der spielerisch dürftige Auftritt bei der EM sei noch eine Spätfolge gewesen.

Für das Spiel in Gelsenkirchen ist erst einmal kein Spannungsabfall zu erwarten, zumal die deutsche Mannschaft den Gegner für gefährlicher erachtet, als es die Öffentlichkeit tut. „Die Österreicher sind mit viel Motivation am Werk“, sagt Löw. „Vielleicht schielen sie noch mit einem Auge auf Platz zwei.“ Drei Punkte liegt die Mannschaft von Dietmar Constantini hinter der Türkei, vier hinter Belgien (bei einem Spiel weniger) – die Partie gegen die Deutschen ist also so etwas wie die letzte Chance. Löw hat bei der Vorbereitung auf den Gegner zudem festgestellt, dass die Österreicher gegen die kleinen Mannschaften oft Probleme hatten, „gegen die Guten sind sie immer ganz besonders gut“.

Dem eigenen Selbstverständnis nach dürfte der Bundestrainer heute Abend also einen bärenstarken Gegner erwarten.

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