Manuel Neuer : Achtung, angreifender Torhüter

Manuel Neuer beweist im Nationalteam, dass er sich nicht nur durch spektakuläre Reflexe auszeichnet. Die Abwürfe und Abschläge übe er regelmäßig im Training, „am Ende gehört aber auch immer ein bisschen Glück dazu.“

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Lucky Luke im Tor. Mit einer starken Parade nach Hamit Altintops Schuss verhindert Manuel Neuer in der Anfangsphase einen Rückstand.
Lucky Luke im Tor. Mit einer starken Parade nach Hamit Altintops Schuss verhindert Manuel Neuer in der Anfangsphase einen...Foto: dapd

Dass es auch von Nachteil sein kann, wenn man sich gut kennt, musste Hamit Altintop in Istanbul schon früh erkennen. Als der türkische Nationalspieler in der fünften Minute frei im Strafraum der deutschen Nationalmannschaft auftauchte, stand nur noch Manuel Neuer, sein ehemaliger Mannschaftskollege von Schalke 04, zwischen dem Ball und dem türkischen Führungstreffer. Aber was heißt nur?

Torhüter Manuel Neuer ragte beim 3:1 der deutschen Nationalmannschaft im EM-Qualifikationsspiel gegen die Türkei aus einem überzeugenden Team besonders heraus. Und das nicht nur, weil er in der fünften Minute Altintops Schuss mit einem Reflex parierte, der auch Lucky Luke neidisch gemacht hätte. „Das war Weltklasse“, lobte Mario Gomez, der den ersten deutschen Treffer erzielte. Neuer aber kommentierte lediglich: „Ich kenne Altintop ja aus Schalker Zeiten, da wusste ich, dass er den Außenrist benutzt.“

Bundestrainer Joachim Löw sprach von einer „ordentlichen Mannschaftsleistung“, hob aber ebenfalls die Leistung von Torwart Manuel Neuer hervor, weil er auch noch entscheidend an der Vorbereitung von zwei Treffern beteiligt war. Genau diese Offensivkraft zeichne Neuer aus, sagte Löw. Der Torhüter des FC Bayern hatte den ersten Treffer mit einem exakten Abwurf an die Mittellinie auf Thomas Müller eingeleitet, der den Ball zu Gomez spielte. Beim zweiten Treffer schlug er den Ball weit über die Mittellinie zu Mario Götze. „Irgendwo muss es halt anfangen“, sagte Neuer. „Er ist ein großer Torwart“, kommentierte Mario Gomez stolz.

Die Abwürfe und Abschläge übe er regelmäßig im Training, ließ Manuel Neuer später wissen, „am Ende gehört aber auch immer ein bisschen Glück dazu.“ Beim 1:2 durch Hakan Balta, bei dem er chancenlos war, hatte ihn allerdings das Glück verlassen. „Ich ärgere mich schon über das Gegentor, denn als Torwart will man immer zu Null spielen“, sagte er. Thomas Müller, sein Teamkamerad vom FC Bayern, hatte den Treffer begünstigt, in dem er seinen Gegenspieler einfach laufen ließ. „Wir werden das intern aufarbeiten“, versprach Neuer. So wie überhaupt vieles in diesem Team intern besprochen werden kann, bildeten doch gleich sieben Spieler in der Startformation einen unübersehbaren Bayern-Block. Neuers Aussprache dürfte freilich nachsichtig ausfallen, war Thomas Müller als Vorbereiter (beim 1:0), Torschütze (beim 2:0) und Gefoulter im Strafraum (beim 3:1-Elfmeter durch Bastian Schweinsteiger) an allen drei deutschen Treffern beteiligt.

Es war Trainer Joachim Löw vorbehalten, die deutschen Beobachter nicht ins Schwärmen kommen zu lassen. Das Pressing habe in der ersten Halbzeit nicht so funktioniert, wie er sich das vorgestellt habe, sagte er. Der Druck auf die Türken hätte zeitweise höher sein müssen, kritisierte der Bundestrainer weiter. Beim Spiel gegen Belgien am Dienstag wolle er nur wenig umbauen. Zwar wird Miroslav Klose erneut verletzt ausfallen, dafür hofft er unter anderem auf eine Rückkehr von Mesut Özil. Es geht ja trotz der bereits feststehenden EM-Qualifikation noch um einiges.

„Wir wollen jetzt unbedingt gegen Belgien gewinnen, weil es eine solche Serie in der deutschen Nationalmannschaft noch nie gegeben hat“, sagt Manuel Neuer. Es wäre nämlich der zehnte Sieg im zehnten Spiel. Bisher hält die WM-Elf von 1982 den Rekord, die in der Vorbereitung in acht Spielen acht Siege schaffte. Für den Bundestrainer ist es freilich auch wichtig, die Qualifikation „seriös“ zu beenden. Für den Gegner Belgien und die Türkei geht es ja noch um Platz zwei in der Gruppe.

Man muss kein Prophet sein, um die Entlassung des türkischen Nationaltrainers Guus Hiddinks für den Fall vorherzusagen, dass sich am Dienstag auch die letzte Hoffnung der Türken auf die Teilnahme an der EM im nächsten Jahr in Luft auflösen sollte. Türkische Zeitungskommentatoren fordern schon jetzt seinen Abschied. Manuel Neuer dürfte dann einen kleinen Anteil daran haben. Hamit Altintop könnte das jedenfalls so sehen. Er klopfte seinem ehemaligen Teamkameraden nach Spielschluss auf die Schulter, schüttelte den Kopf und sagte nur: „Sensationell.“ (mit sid und dapd)

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