Nationalmannschaft : DFB-Team ohne Ballack: Einigkeit am Telefon

Bundestrainer Joachim Löw verzichtet in den Länderspielen gegen Belgien und Aserbaidschan auf Michael Ballack. Die Kapitänsfrage soll nächste Woche geklärt werden.

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Berlin - Philipp Lahm bleibt Kapitän der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Jedenfalls für die nächsten beiden Länderspiele. Das ist schön für den 26-jährigen Profi vom FC Bayern, der die deutsche Elf schon durch die Weltmeisterschaft führte. Doch die Grundlage für diese Ehre ist eben keine neue. Weil der langjährige Kapitän der Nationalelf, Michael Ballack, verletzt für die Endrunde in Südafrika ausgefallen war, hatte Bundestrainer Joachim Löw Lahm zum WM-Kapitän bestimmt. Ballack ist wieder in den Fußballbetrieb eingestiegen, das allerdings noch mit körperlichen Defiziten. Als Löw gestern den Kader für die beiden anstehenen Länderspiele bekannt gab, fehlte der Name Ballacks erwartungsgemäß. Zur Frage, wer von beiden künftig das Amt des Kapitäns ausfüllen soll, will der Bundestrainer sich noch vor dem nächsten Spiel erklären. „Ich werde das nächste Woche mitteilen“, sagte Löw, „ich werde mich vor dem Spiel gegen Belgien äußern und einige Themen in der Öffentlichkeit bekanntgeben.“

Die beiden Qualifikationsspiele zur Europameisterschaft 2012 am kommenden Freitag in Brüssel gegen Belgien (20.45 Uhr, live bei ARD) und Dienstag drauf in Köln gegen Aserbaidschan (20.45 Uhr, live bei ARD) sind die ersten Pflichtauftritte der deutschen Elf seit der WM. Joachim Löw hat 17 Südafrikafahrer nominiert. Verzichten musste er auf fünf WM-Teilnehmer, darunter die beiden Stammspieler Arne Friedrich (jetzt Wolfsburg) und Jerome Boateng (jetzt Manchester City). Ebenso verletzungsbedingt sind die beiden Hamburger Piotr Trochowski und Dennis Aogo verhindert. Der Stuttgarter Serdar Tasci wurde wegen fehlender Spielpraxis nicht nominiert.

Dafür kehren Heiko Westermann (jetzt Hamburger SV), Christian Träsch (VfB Stuttgart) und René Adler (Bayer Leverkusen) ins Nationalteam zurück, die für die WM fest vorgesehen waren, aber sich dann verletzten. Da es sich um einen Doppelspieltag handelt, nominierte Löw wie bei einem Turnier einen dritten Torwart. Der Leverkusener Adler ersetzt Jörg Butt (München), der bei der WM die Nummer drei im deutschen Tor war. Adler war im März von Löw zur neuen Nummer eins ausgerufen worden, musste dann aber verletzungsbedingt auf die WM verzichten, bei der Manuel Neuer das Tor mit Bravour hütete. Der Schalker hoffte, sich dadurch einen Vorsprung gegenüber Adler erarbeitet zu haben. Doch Löw will auch hier neu entscheiden. „Es war für uns eine Selbstverständlichkeit, dass René Adler zurückkehrt. Nach seiner Operation hat er in seinen bisherigen Einsätzen im Verein unter Beweis gestellt, dass er in guter Form ist“, sagte der Bundestrainer gestern.

Die Mannschaft des WM-Dritten startet nun in eine neue Etappe. „So schön die Lobeshymnen auf unsere WM-Auftritte waren – für alle beginnt der nächste Abschnitt mit interessanten Herausforderungen“, sagte Löw. Wie schon nach der Europameisterschaft 2008 sehe er im Leistungsprinzip einen wichtigen Faktor, „damit eine weitere Steigerung unserer Mannschaft möglich ist“.

Wann, ob und in welcher Rolle Michael Ballack zurückkehrt, wird sich zeigen.  Nach einem Telefonat zwischen Löw und Ballack habe „Einigkeit“ bestanden, dass der 98-fache Nationalspieler nicht dem aktuellen Aufgebot angehören wird. „Es war ein gutes und vertrauensvolles Gespräch“, sagte Löw. Ballack sei drei Monate nach seiner schweren Verletzung auf einem guten Weg und alle seien mit dem Genesungsprozess zufrieden. Löw: „Wichtig wird nun sein, dass er in den nächsten Wochen in Leverkusen zu seiner optimalen Form zurückfindet.“

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