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Nationalmannschafts-Manager : Oliver Bierhoff: "Nun müssen wir einen neuen Anlauf starten"

16.10.2012 12:20 Uhrvon
Oliver Bierhoff, 44, ist seit 2004 Manager des Nationalteams.Bild vergrößern
Oliver Bierhoff, 44, ist seit 2004 Manager des Nationalteams. - Foto: dapd

Nach dem EM-Aus war die Luft raus, bekennt Oliver Bierhoff. Doch vor dem Spiel gegen Schweden macht der Nationalmannschafts-Manager dem Team Mut - und verteidigt Joachim Löw.

Herr Bierhoff, wann haben Sie das letzte Mal ein Spiel der Nationalelf genossen?
Bei der EM gegen Griechenland, der Sieg bedeutete den Einzug ins Halbfinale.

Und das 6:1 in Dublin nicht?

Auch, schon, aber wenn man gegen Ende so klar gewinnt, ist die Freude manchmal geringer, so widersprüchlich das auch klingt. Wichtig war, dass wir das Spiel kontrolliert und bestimmte Dinge einfach gut umgesetzt haben. Aber Genuss hängt für mich nicht nur davon ab, dass alles perfekt läuft, sondern auch, wenn man sich ein Ergebnis auch mal erkämpft, so wie wir das bei der EM gegen Portugal und Holland gemacht haben.

Gegen Griechenland war es etwas spektakulärer, damals natürlich in der Hoffnung, dass es einen Schub geben kann.

Gab es nicht, vielmehr folgte das EM-Aus. Seitdem herrscht eine große Schwierigkeit der Einordnung: Was war die EM denn nun: ein gutes oder ein schlechtes Turnier?

Hier ist die Bewertung zugegeben schwer. Die Erwartungshaltung war sehr hoch, auch bei uns. Ich bleibe bei meiner ersten Einschätzung: Die EM war erfolgreich, aber das Ausscheiden enttäuschend. Nun müssen wir sehen, dass wir einen neuen Anlauf starten. Wir dürfen uns nicht davon zurückwerfen lassen, dass wir mal wieder unter den letzten Vier gewesen sind. Das für sich ist ein Erfolg.

Das Scheitern gegen Italien hatte lange Ausläufer. Auch weil man den Eindruck hatte, dass sich Team und Trainer nicht richtig mit dem Aus auseinandergesetzt haben. Täuscht der Eindruck?

Ich nehme die Reaktion der enttäuschten Fans ernst, ich halte sie auch für normal. Es gibt dafür genügend Beispiele in der Fußball-Geschichte. Die emotionale Bindung unserer Fans zur Mannschaft ist groß, denn nichts anderes bedeutet ja die Reaktion der Enttäuschung. Diese war nicht von den Medien geschürt, sondern sie wurde von jedem Fan gelebt. Das habe ich auch in meinem Freundes- und Familienkreis so erfahren und miterlebt.

Den Enttäuschten fehlte eine verständliche Erklärung.

Ich finde, dass in der Analyse und Nachbetrachtung vieles oberflächlich bewertet wurde. Ich kann Ihnen versichern, dass wir uns in der Leitung intensiv mit dem Aus beschäftigt haben, uns auch selbst hinterfragt haben und dies weiterhin tun. Natürlich haben wir uns nach der heftigen Kritik gefragt, was gut war, was schlecht und wo man noch Luft hat. Bei aller Diskussion ist es jetzt wichtig, konzentriert zu arbeiten und nach vorne zu schauen.

Die öffentliche Aufarbeitung des Ausscheidens durch den Bundestrainer wurde als unglücklich empfunden. Wie haben Sie den Trainer erlebt?

Joachim Löw hat schon im Flieger zurück von der EM gesagt, dass sein Plan nicht aufgegangen ist und er dafür die Verantwortung übernimmt. Insofern hat er ja ein paar Dinge angesprochen, aber es ist irgendwie nicht angekommen.

Hätte er es nicht so einfach mal in aller Öffentlichkeit sagen können? Da gab es nur den Auftritt einen Monat danach, ein Monolog des Trainers, bei dem am Ende keiner wusste, woran es nun lag.

Zunächst einmal hat er in seiner Ansprache die Spieler verteidigt. Vor allem in Bezug auf die Hymnendiskussion, weil es die Spieler stark beschäftigte. Das war für den Trainer und mich enttäuschend, weil wir eben wissen, welcher Einsatz bei dem Einzelnen dahintersteckt. Der Druck auf den Bundestrainer ist während eines Turniers sehr groß. Er ist voll und ganz fokussiert auf den Erfolg, kann und darf sich in einer solchen Phase doch gar nicht mit Niederlagen auseinandersetzen. Gerade nach so einer intensiven Zeit braucht es einen gewissen Abstand, um alles zu verarbeiten. Aber, und das nehme ich an, ist es uns wohl nicht gelungen, dies optimal zu transportieren.

Anders als Jürgen Klinsmann, dessen Amtszeit von Beginn an von Zweifeln begleitet war, galt Löw als unantastbar. Das ist nun nicht mehr der Fall.

In der öffentlichen Wahrnehmung war Jürgen Klinsmann erst derjenige, der den deutschen Fußball kaputtmacht und dann bei der WM ein Messias, dem man alles zu Füßen gelegt hat. Ein Jahr später hat es dann geheißen, das war ja alles nichts, das war alles nur Motivation. Die Extreme sind einfach da, ich glaube auch, in Deutschland teilweise noch mehr als anderswo. Generell ist es schwer, in guten wie in schlechten Zeiten, die Dinge auseinanderzuhalten. Natürlich ist ein EM-Ausscheiden nicht allein mit einer taktischen Entscheidung zu erklären, aber genauso wenig ist sie für einen besonderen Sieg allein verantwortlich. Es bedarf einer differenzierteren Betrachtung. Wenn man die Dinge zu erklären versucht, ist schnell von Ausrede oder fehlender Selbstkritik die Rede.

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