Real Madrid : Khedira und Özil fremdeln in Spanien

Zu zweit allein in einem fremden Land: Sami Khedira und Mesut Özil fremdeln in Spanien. Für die beiden Deutschen sei das Leben nicht einfach, sagt Madrids Trainer José Mourinho.

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Allein zu zweit: Khedira und Özil.
Allein zu zweit: Khedira und Özil.Foto: dpa

Berlin – Für Thilo Sarrazin wäre der Sachverhalt klar gewesen: Wieder zwei Moslems, einer mit türkischen, der andere mit tunesischen Wurzeln, die sich nicht richtig integrieren. Doch bei Mesut Özil und Sami Khedira ist das Problem ein gänzlich anderes: Sie fremdeln bei Real Madrid, weil sie zu deutsch sind. „Das Leben ist für die beiden Deutschen nicht einfach“, sagt Madrids Trainer José Mourinho in einem Interview mit der spanischen Sportzeitung „As“ und macht damit auf Integrationsmissstände aufmerksam. „Sie sprechen kein Wort Spanisch, sagen höchstens einmal ,Buenos Dias’ oder ,Hola’.“ Der Portugiese, der fünf Sprachen fließend spricht, begründet mit diesem Defizit, warum er die Deutschen zum Ligastart der Primera Division gegen Mallorca zunächst auf der Bank ließ. „Ihr Sozialleben innerhalb der Mannschaft ist gleich null“, ergänzt er, „Khedira lebt mit Özil und Özil lebt mit Khedira.“

Es ist nicht einfach für die beiden deutschen Nationalspieler: Neu in einem fremden Land und neben einem steht der Landsmann in derselben Situation, das verführt dazu, sich gemeinsam abzukapseln. Eine Situation, wie sie in Deutschland wohl nur Lothar Matthäus und Andreas Brehme erlebten, als sie 1988 gemeinsam der Heimat den Rücken kehrten und in Italien bei Inter Mailand anheuerten. „Die Italiener haben schon etwas angesäuert geschaut, wenn Andy und ich uns etwas erzählt und dann gelacht haben“, erinnert sich Matthäus. „Dazu haben wir uns privat sehr gut verstanden und deshalb auch viel zusammengehangen.“

Doch da enden für ihn schon die Gemeinsamkeiten. Denn während in Reals Kader 16 Ausländer aus acht Nationen stehen, waren es bei Inter damals „nur drei Ausländer gegenüber 20 Italienern, von denen gerade mal zwei Englisch konnten“, wie Matthäus sagt. So waren er und Brehme, die im Gegensatz zu Khedira und Özil die ganze Sommervorbereitung zum Eingewöhnen hatten, fast gezwungen, Italienisch zu lernen. „Damals war die Welt noch nicht global“, erzählt Matthäus, „es gab weder Internet noch Handy noch Satellitenschüsseln – da war ich ja gezwungen, italienisches Fernsehen zu schauen.“ Dennoch sei er froh gewesen, „dass ich den Andy hatte“.

Özil und Khedira rät er trotz aller Freundschaft dazu, Spanisch zu lernen, „weil du dir Respekt erarbeitest, wenn du die Landessprache sprichst“. Das sollte auch nicht weiter problematisch sein, denn erstens seien Deutsche sehr lernwillig und zweitens erkenne man in jedem Land an, wenn ein Ausländer überhaupt versuche, die Sprache zu sprechen. „Wenn ein Italiener drei Wörter Deutsch spricht, sind alle begeistert“, sagt Matthäus, den es immer noch ärgert, „dass mir die Geschichte aus Amerika auch noch zehn Jahre später nachhängt“. Als er 2000 in die USA wechselte, sprach Matthäus bei seiner Präsentation die fast schon legendären Worte: „I hope we have a little bit lucky next year.“ 40 Kameras seien im fremden Land auf ihn gerichtet gewesen, verteidigt er sich – dabei sei sein Englisch so schlecht nicht.

Derlei Peinlichkeiten könnten Khedira und Özil auch passieren, denn laut Mourinho „beherrschen sie nicht einmal richtig Englisch“, was ihre Integration zusätzlich verkompliziere. Doch eigentlich geht es Mourinho gar nicht um die Sprache, ist zumindest Matthäus überzeugt: „Er schützt die Spieler dadurch, dass er gegenüber Journalisten die Sprache als Vorwand benutzt“, sagt Matthäus. „Denn hätte er sie gegen Mallorca gebracht und 0:1 verloren, dann hätte die Presse sie in der Luft zerfetzt.“ So aber haben Khedira und Özil etwas Ruhe, um ihre körperlichen Rückstände aufzuholen. „Und in zwei Wochen spielen sie dann trotzdem, obwohl sie dann immer noch keinen Deut besser Spanisch sprechen.“

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