Rückblick : Wenn sich der deutsche Fußball blamiert

Dass es heutzutage keine kleinen Gegner mehr gibt, gehört zum Phrasen-Repertoire eines jeden deutschen Fußballinteressierten. Dabei wird sträflich missachtet, dass seit jeher nicht immer ein großer Sieg dabei herausspringt.

Nicolas Diekmann
Strauchellage. Karl-Heinz Rummenigge (M.) reckt sich vergeblich, Deutschland verliert bei der WM 1982 gegen Algerien.
Strauchellage. Karl-Heinz Rummenigge (M.) reckt sich vergeblich, Deutschland verliert bei der WM 1982 gegen Algerien.Foto: picture alliance / baumann

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1936 Deutschland – Norwegen 0:2

Als der Berliner AK den Erstligisten TSG Hoffenheim vor wenigen Wochen mit 4:0 aus der ersten DFB-Pokalrunde und dem heimischen Poststadion warf, rückte die Spielstätte wieder in den Blickpunkt Fußballbegeisterter aus der Republik. Bei Adolf Hitlers propagandistischen Olympischen Spielen 1936 wurde auf diesem Feld das Fußballturnier ausgetragen. Entgegen der Erwartungen schied die Mannschaft des Deutschen Reichs als klarer Favorit gegen das kleine Norwegen durch ein 0:2 in der Zwischenrunde aus. Es ist das einzig jemals von Hitler besuchte Fußballspiel der Nationalmannschaft, bei dem er zudem frühzeitig das Stadion verließ. Im Anschluss griffen bereits die heute üblichen Mechanismen scheiternder Teams: Bundestrainer Otto Nerz wurde entlassen, sein Nachfolger sollte ein gewisser Sepp Herberger werden.

1967 Albanien – BR Deutschland 0:0

Für Peter Meyer war dieser 17. Dezember ein besonderer Tag. Der Stürmer von Borussia Mönchengladbach machte sein erstes Länderspiel für die Bundesrepublik und ersetzte Gerd Müller, der von Trainer Helmut Schön geschont wurde. Es war das abschließende Qualifikationsspiel zur Europameisterschaft 1968 und der BRD reichte bei den drittklassigen Albanern ein 1:0, um als Gruppensieger vor Jugoslawien zur EM nach Italien zu reisen. Im Mittelfeld sollten Wolfgang Overath und Günter Netzer einen ungefährdeten Sieg dirigieren. Einzig: Es sollte nicht gelingen. Auf hartem Platz reichte es gegen den bissigen Gegner nur zu einem torlosen Unentschieden, die „Schmach von Tirana“ war perfekt. Deutschland verpasste somit zum ersten und bis dato einzigem Mal die EM – und für Peter Meyer war der Auftritt der erste und gleichsam letzte im Dress der Nationalmannschaft.

1975 Island – DDR 2:1

Aktueller Olympiadritter, die Bundesrepublik bei der WM 1974 geschlagen – es lief gut für die DDR in der ersten Hälfte der 70er Jahre. Dann stand die Qualifikation zur Europameisterschaft an. Nachdem es schon im Hinspiel in Magdeburg nur zu einem 1:1 gegen Island gereicht hatte, folgte die Niederlage in Reykjavik. Für die Amateure von der Insel war es der einzige Sieg. Dabei standen beim Gegner sechs Spieler in der Startelf, die 1974 die BRD besiegt hatten. Durch die verschenkten Punkte verpasste die DDR die EM.

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