Verletzungspech im Trainingslager : Lars Bender verpasst die WM

Lars Bender wird die Fußball-WM in Brasilien wegen einer Muskel-Sehnen-Verletzung verpassen – der Ausfall trifft die deutsche Nationalelf gleich auf zwei Positionen.

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Geteiltes Leid: Sven Bender (r.) war lange verletzt und wurde nicht für die WM berücksichtigt. Sein Zwillingsbruder Lars verpasst das Turnier nun auch.
Geteiltes Leid: Sven Bender (r.) war lange verletzt und wurde nicht für die WM berücksichtigt. Sein Zwillingsbruder Lars verpasst...Foto: dpa

Christoph Kramer kann sich ganz gut in andere Menschen hineinversetzen, sogar in Journalisten. Dass sie ihn im Moment immer das Gleiche fragen, findet der Mittelfeldspieler von Borussia Mönchengladbach zwar nicht sonderlich originell. Wenn er sich allerdings selbst interviewen müsste, würde er auch mit der Frage beginnen, wie er seine Chance sehe, bei der WM dabei zu sein. Seine Antwort: „Ich kann die Chancen nicht einschätzen, aber ich freue mich wahnsinnig, dass ich hier in Südtirol sein darf.“

Kramer ist allerdings auch schlau genug, um zu wissen, dass sich seine WM-Aussichten am Freitag zumindest nicht verschlechtert haben. Das hängt in erster Linie mit einer weiteren schlechten Nachricht für die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zusammen: Lars Bender, ein Konkurrent Kramers für den Posten im defensiven Mittelfeld, ist am Morgen aus dem Trainingslager in die Heimat zurückgereist, der Leverkusener fällt wegen einer Oberschenkelverletzung für die Weltmeisterschaft in Brasilien aus.

Im Training am Donnerstagnachmittag hatte sich Bender eine kombinierte Muskel-Sehnen-Verletzung im oberen Bizepsanteil des rechten Oberschenkels zugezogen. „Wenn so kurz vor einem Turnier ein Spieler verletzungsbedingt ausfällt, ist das für alle enttäuschend“, sagte Bundestrainer Joachim Löw. „Für Lars tut es mir persönlich sehr leid. Sportlich und charakterlich ist er ein absolutes Vorbild.“ Bender erfreut sich in der Mannschaft großer Beliebtheit; er wird vor allem als ausgleichender Charakter geschätzt.

Das defensive Mittelfeld bleibt die Problemzone der Nationalelf

Sein Ausfall trifft den Bundestrainer aber auch sportlich an einer neuralgischen Stelle. Das defensive Mittelfeld ist und bleibt die Problemzone der Nationalmannschaft. Sami Khedira, der nach dem Champions-League-Finale mit Real Madrid erst am Montag im Passeiertal erwartet wird, macht nach seinem Kreuzbandriss gerade erst wieder die ersten Praxiserfahrungen auf dem Fußballplatz. Davon ist Bastian Schweinsteiger augenscheinlich noch weit entfernt. Der Münchner absolviert im Trainingslager der Nationalmannschaft ein individuelles Rehaprogramm und kann weiterhin nur eingeschränkt laufen. Trotzdem verzichtet Löw nach Benders Ausfall darauf, einen Spieler nachzunominieren.

Immerhin sind Philipp Lahm und Manuel Neuer am Freitagabend im Trainingslager angekommen, nachdem sie sich noch in München ihre Blessuren aus dem DFB-Pokalfinale haben behandeln lassen. Per Mertesacker, der Anfang der Woche zum zweiten Mal Vater geworden ist, traf bereits am Mittag ein. Immer wahrscheinlicher wird, dass Lahm bei der WM im Mittelfeld spielen wird und der Platz rechts in der Viererkette anderweitig besetzt werden muss. Allerdings fällt auch für diese Position ein möglicher Kandidat aus: Lars Bender. Bei der EM vor zwei Jahren hat der Leverkusener gegen Dänemark als rechter Außenverteidiger gespielt. Die Kritiken fielen damals sehr wohlwollend aus.

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