Deutsches Sportabzeichen : Die inklusive Tour

Wie kann man Menschen mit Behinderung eine gleichberechtigte Vorbereitung und Teilnahme beim Deutschen Sportabzeichen ermöglichen? Um eine Antwort auf diese Frage bemüht sich ein besonderes Projekt.

Jonathan Fridman
Gudrun Doll Tepper (l), DOSB Vizepräsidentin Bildung, mit Sport-Botschafter/innen Kirsten Bruhn, Holger Nikelis, Frank Busemann, Danny Ecker, Miriam Höller beim Rollstuhl-Sprint.
Gudrun Doll Tepper (l), DOSB Vizepräsidentin Bildung, mit Sport-Botschafter/innen Kirsten Bruhn, Holger Nikelis, Frank Busemann,...Foto: DOSB/Treudis Naß

Es liest sich wie der Anfang eines schlechten Witzes: Die dreifach goldgekürte Paralympics-Schwimmerin Kirsten Bruhn trifft sich auf ein Rollstuhlrennen mit einem Stabhochspringer, einem Zehnkämpfer, einer Stuntfrau, dem deutschen Meister im Rollstuhltennis und der Vizepräsidentin des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB). Doch um 12 Uhr mittags ist dieses Ereignis nur einer der vielen Höhepunkte beim inklusiven Sportfest in Fulda am 8. Juli 2016.

An diesem Tag macht die Sportabzeichen-Tour des DOSB Halt in der hessischen Stadt – einer von zehn Stopps auf der Deutschlandreise, der letzte von vier mit speziellem Fokus auf Inklusion. Auch hier wollen die Organisatoren ihre Botschaft verbreiten, die Frank Busemann, ehemaliger Leichtathlet und prominenter Botschafter des Projekts, mit folgenden Worten zusammenfasst: „Sport ist schön und das sollte jeder wissen“. Dabei ist mit dem Wörtchen „jeder“ auch wirklich jeder gemeint. So tummeln sich unter den 5.000 Teilnehmern in Fulda Jung und Alt, Sportliche und eher Unerfahrene, Kinder, Menschen mit und Menschen ohne Behinderung. An 40 Stationen – von Rollstuhl-Hindernisparcours bis inklusiven Fußballturnieren – können sich die Besucher austoben.

Seit 2014 kooperiert der DOSB mit dem Deutschen Behindertensportverband (DBS), Special Olympics Deutschland (SOD) und dem Deutschen Gehörlosen Sportverband (DGS), um Antworten auf eine Frage zu finden: Welche Voraussetzungen müssen bei Veranstaltungen im Rahmen der Sportabzeichen-Tour geschaffen werden, um Menschen mit Behinderung eine gleichberechtigte Vorbereitung und Teilnahme zu ermöglichen? Das auf drei Jahre angelegte Projekt wird von der Aktion Mensch e.V. unterstützt und durch Sportwissenschaftler Prof. Dr. Manfred Wegner auch wissenschaftlich begleitet. Sein Fazit fällt positiv aus: „Zum Teil bot sich das Bild einer großen Gruppe, in der alle nur das gemeinsame Ziel hatten, das Deutsche Sportabzeichen abzulegen.“

Wer interessiert ist, hat dieses Jahr noch zweimal die Chance, an der Tour teilzunehmen: am 19. August in Magdeburg und am 09. September in Weißwasser (Sachsen). Prof. Dr. Wegner wünscht sich, dass das Projekt auch in den kommenden Jahren fortgeführt wird: „Um das bisher Erreichte zu verstetigen und auszubauen, ist es wichtig, dass das Projekt weitergeht und dass die Inklusionsidee weiterhin durch Expertise unterstützt wird.“

Quellen: Landessportbund Hessen, DOSB

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