Nachwuchsreporter der PZ in Rio : Im Kleinen die großen Geschichten finden

Der Journalismus-Student João Soares arbeitet bereits regelmäßig für Magazine und Zeitungen in Brasilien. Bei den Paralympics im September will er das PZ-Team unterstützen. Für ihn verbirgt sich hinter jedem Athleten eine Story.

Jonathan Friedman
João Pedro Soares, 22 Jahre, ist Journalismus-Student. leidenschaftlicher Fußballer und Teil des deutsch-brasilianischen Nachwuchsreporter-Teams für die Paralympics-Zeitung (PZ) in Rio.
João Pedro Soares, 22 Jahre, ist Journalismus-Student. leidenschaftlicher Fußballer und Teil des deutsch-brasilianischen...Thilo Rückeis

Eigentlich wollte er einen Artikel über Doping bei russischen Paralympics-Athleten schreiben. Doch von den russischen Sportlern ist an diesem verregneten Donnerstag im Mai kaum jemand aufgetaucht – für den Testwettkampf im Olympia-Stadion war ihnen der Weg nach Rio wohl schlicht zu weit.

João Pedro Soares, 21, lässt sich davon nicht unterkriegen. Im Pressebereich entdeckt er einen Fotografen mit starker Sehschwäche – und unterhält sich eine Stunde lang mit ihm. João, geboren in Portugal mit brasilianischer und portugiesischer Staatsbürgerschaft, findet gerne die kleinen Geschichten, die etwas versteckt am Rande großer Events liegen. Als Journalismus-Student in seinem letzten Semester schreibt er regelmäßig für Magazine und Zeitungen; unter anderem für „Folha de São Paulo“, die auflagenstärkste Tageszeitung in Brasilien.

Trotz seiner vielen Erfahrungen sieht er das Projekt „Paralympics Zeitung“ als etwas Besonderes. Während seines Auslandssemesters in Köln durfte er eine Wohnung mit Sitzvolleyballer Lukas Schiwy teilen. Seitdem ist er fasziniert von den Wettkämpfen. Sein Mitbewohner erzählte ihm, wie das Spiel ihm half, seinen Platz in der Gesellschaft zu finden, und täglich seine Lebensqualität verbessert.

João konnte das sicher gut nachvollziehen: Er ist leidenschaftlicher Fußballspieler und Fan. Natürlich unterstützt er dabei den Verein Vasco da Gama aus Rio – immerhin ist er ein „Carioca“, ein stolzer Bewohner der zweitgrößten Stadt Brasiliens. Deshalb freut er sich auch darauf, bei den Spielen im September über Besonderheiten seiner Stadt zu schreiben, die den wenigsten Besuchern auffallen.

Aber Joãos Herz schlägt nicht nur für den Sport. Begeistert erzählt er von seiner Liebe für die brasilianische Musik: „In Sänger wie Gilberto Gil und Caetano Veloso bin ich einfach verliebt“, gesteht er mit glänzenden Augen, bevor er hinzufügt: „Rein musikalisch!“ Besonders weiß er es zu schätzen, wie seine Lieblingssänger, nur mit ihrer Stimme und Gitarre ausgerüstet, große Emotionen vermitteln können.

Denn große Emotionen möchte der junge Journalist auch vermitteln, im September bei den Paralympischen Spielen. Er denkt, dass hinter jedem Athleten eine großartige Geschichte steckt, die erzählt werden muss – auch wenn man diese erst auf den zweiten Blick findet.

 

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