Paralympic Media Award : Ein Preis für mehr Mut

Herausragende Berichterstattung über Behindertensport: Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung verleiht zum 16. Mal den "Paralympic Media Award".

Von Hannah Hofer und David Hock

Die Preisträger (v.l.n.r.): Lukas Eberle, Walter Schaffartzik (für Alessandro Zanardi), Robert Freis, Daniela Müllenborn, Christoph Cadenbach, Oliver Kremer.
Die Preisträger (v.l.n.r.): Lukas Eberle, Walter Schaffartzik (für Alessandro Zanardi), Robert Freis, Daniela Müllenborn,...Foto: DGUV

Der große, gläsern schillernder Pokal scheint mit dem Lächeln der Preisträger noch stärker zu glänzen: Stolz halten die Journalisten den "Paralympic Media Award", der von der Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) in Berlin verliehen wurde, in den Händen.

In der Kategorie Print ging der erste Preis an Christoph Cadenbach vom Magazin der Süddeutschen Zeitung. Sein Text trägt den Titel "Die Mannschaft" und begleitet ein Fußballteam auf ihrem Weg zu den Special Olympics 2015 in Los Angeles, dem größten Sportwettkampf für Menschen mit geistiger Behinderung. Cadenbach macht deutlich, wie unverkrampft hier der Fußball als Teamsport eine Gruppe ganz unterschiedlicher Kicker zusammenbringt. Dabei geht es nicht mehr um die "geistigen Beeinträchtigungen", sondern um ihre Fähigkeiten auf dem Platz. Und die sind beachtlich: Ein Trainingsspiel gegen das Team des Redakteurs endete nach hartem Kampf 8:8 Unentschieden.

Dass neben Leistungs- auch Breitensport von Menschen mit Behinderung in den Fokus der Gesellschaft gerückt werden soll, zeigt der erste Preis der Kategorie Hörfunk, den Daniela Müllenborn mit sichtlicher Freude entgegennahm. In ihrem Beitrag "Inklusion im Sport – es gibt zu wenig davon" begleitet sie eine blinde Sportlerin im Fitnessstudio. Schon das gegenseitige Erkennen und die erste Kontaktaufnahme war eine Herausforderung. Der Beitrag sensibilisiert für ein alltägliches, inklusives Miteinander. Laudator Lorenz Maroldt, Chefredakteur des Tagesspiegels, nennt die Auszeichnung "einen Preis für mehr Mut".

Bundesministerin Andrea Nahles übergibt den ersten Preis in der Kategorie Print an Christoph Cadenbach vom Magazin der Süddeutschen Zeitung.
Bundesministerin Andrea Nahles übergibt den ersten Preis in der Kategorie Print an Christoph Cadenbach vom Magazin der...Foto: DGUV

Es sind letztlich die Sportler selbst, die mit ihren persönlichen Geschichten eindrucksvoll zeigen, dass eine Behinderung zwar herausfordert, nicht aber ein grundsätzliches Hindernis sein muss. Die Geschichte Alessandro Zanardi ist hierfür ein extremes Beispiel: Die italienische Kämpfernatur überlebte ein Rennfahrerunfall im Jahr 2001 nur knapp, seine Unterschenkel verlor er dabei. Dass er nur zwei Jahre später wieder auf der Rennstrecke startete, mag für manche schier verrückt sein. Es demonstriert andererseits einen unglaublichen Willen, sich nicht unterkriegen zu lassen. Auch im Behindertensport ist Zanardi inzwischen aktiv, als Handbiker holte er bei den Paralympics in London Gold. Seine Geschichte verdiente aus Sicht der Jury den diesjährigen Sonderpreis. Seine Trophäe konnte der Italiener am Mittwoch allerdings nicht persönlich entgegennehmen, da er sich im Trainingslager für die Paralympics in Rio vorbereitet. Ein Athlet eben, auf dem Weg zu weiteren Erfolgen.

Inklusion findet nicht nur bei den Paralympics statt

Der Preis soll die wichtige Rolle des Sports in der Rehabilitation verdeutlichen und die Aufmerksamkeit für den Breiten-und Leistungssport von Menschen mit Behinderung erhöhen. "Die Idee von Inklusion findet nicht nur bei den Paralympics, sondern vor allem bei den vielen kleineren Veranstaltungen in der Zwischenzeit statt", sagt Joachim Breuer, Hauptgeschäftsführer der DGUV. Diese zu prämieren sei Ziel des Awards.

Für die 16. Preisverleihung gab es aus zahlreichen Einsendungen jeweils drei Nominierte in den fünf Kategorien Print, Hörfunk, TV/Film, dabei sind die Kategorien Foto und Online/Social Media in diesem Jahr erstmals dabei. Bundesministerin für Arbeit und Soziales Andrea Nahles (SPD) übernahm in diesem Jahr die Schirmherrschaft.

Die Kategorien und Preisträger im Überblick:

Print:
1. Platz: Christoph Cadenbach, Süddeutsche Zeitung Magazin, „Die Mannschaft“
2. Plätze: Martin Schenk und Sven Labenz, Ausgabe 9 des Magazins „Rollt.“ und Jan Schmidbauer, TAZ, „Verboten gut“

TV:
1. Platz: Robert Freis, Bayerisches Fernsehen, „Alles geht! Episode Rad“
2. Plätze: Hans Finger, handicapsort.tv, „Mit Spaß und Spielfreude zu den Global Games“ und Thomas Ebert, TV-Sendereihe Challenge von Kabel1, „Cape Epic – Durch den Staub von Südafrika“

Hörfunk:
1. Platz: Daniela Mühlenborn, Deutschlandfunk, „Inklusion im Sport – es gibt zu wenig davon“
2. Plätze: Ingmar Deneke, NDRinfo, NDR 90,3, „Ausgezeichnete Blindenfußballer“ und Sven Schultze, meinsportradio.de, „Tag ohne Grenzen“

Online/Social Media:
1. Platz: Lukas Eberle, SPIEGEL Online, „Ich will einen richtig geilen Wettkampf“
2. Plätze: Susanne Rohlfing, ZDFsport.de, „Rio und die magische 14-Meter-Marke“ und Sebastian Schneider, rbb-online.de, „Der große Preis“

Foto:
1. Platz: Oliver Kremer, Pixolli Studios, „Der Moment“
2. Plätze: Michael Schwartz, Der Tagesspiegel, „Portrait Annika Zeyen“ und Jörg Brüggemann, Süddeutsche Zeitung Magazin, „Die Mannschaft“

 

Rio 2016: Porträts der Redakteure

Porträts Wer berichtet für den Tagesspiegel von den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro? Die Porträts der Redakteure finden Sie hier.