Paralympics 2016 in Rio : Gebt ihm die Kugel !

Diskuswerfer Sebastian Dietz hatte 2012 bei den Paralympics Gold gewonnen. In Rio wird es diese Sportart in seiner Klasse nicht geben. Deshalb tritt er nun im Kugelstoßen an - mit der Chance auf eine Medaille.  

Marc Bädorf
Der teilweise gelähmte Paralympicssieger Sebastian Dietz - hier bei der ISTAF 2013 im Berliner Olympiastadion - kann bei den Paralympics in Rio nicht mehr als Diskuswerfer antreten. Dafür kämpft er nun als Kugelstoßer um eine Medaille.
Der teilweise gelähmte Paralympicssieger Sebastian Dietz - hier bei der ISTAF 2013 im Berliner Olympiastadion - kann bei den...Foto: dpa

Über das Diskuswerfen hat der Autor Ilija Trojanow, der achtzig olympische Sportarten ausprobierte, geschrieben: Das Diskuswerfen ist Sinnbild einer Qualität, die wenigen Menschen eigen ist: schwere Aufgaben leichtfüßig zu bewältigen. Ein Bulldozer tanzt Ballett.  Und niemand im paralympischen Sport konnte das besser als Sebastian Dietz: Ein Meter fünfundachtzig groß, mehr als achtzig Kilogramm schwer. 2012 gewann der Deutsche in London Gold im Diskus, ein Jahr später stellte er einen neuen Weltrekord in dieser Sportart auf.

In Doha gewann er 2015 die Weltmeisterschaft - im Kugelstoßen

In Rio wäre Dietz mit Sicherheit einer der großen Favoriten auf Gold im Diskus. Nur: Diskuswerfen wird es für Dietz in Brasilien nicht geben. Die Sportart wurde in seiner Startklasse nach London aus dem Programm gestrichen. „Mich hat das ziemlich genervt, ich sehe auch keine logische Begründung dafür“, sagt Dietz.  Dennoch hat Dietz große Chancen auf eine Medaille, denn inzwischen ist der 31-Jährige zum Kugelstoßen gewechselt. Mit Trainer Alexander Drehstein erarbeitete er sich eine Drehstoßtechnik „nicht leicht“ für einen Tetraplegiker mit Gleichgewichtsstörungen, wie Dietz sagt. Doch die Arbeit hat sich gelohnt: Ende Oktober 2015 gewann er in Doha mit 14,87 Meter die Weltmeisterschaft im Kugelstoßen; bei den Europameisterschaften in diesem Jahr musste er sich nur seinem großen Kontrahenten, dem Russen Vladimir Sviridov, geschlagen geben.

Nach einem schweren Unfall im Alter von neunzehn Jahren hatten Ärzte Dietz eine Lähmung abwärts der Halswirbelsäule vorausgesagt. Dietz akzeptierte das nicht, kämpfte, lernte wieder gehen, machte wieder Sport und entdeckte sein Talent für Wurf und Stoß. Nur Fußball kann der einst seht talentierte Torwart nicht mehr spielen - aber trainieren: Seit mehreren Jahren coacht er erfolgreich eine Frauenmannschaft in der Landesliga. Ihre Unterstützung dürfte ihm bei seinem Start in Rio im September sicher sein. Sein Ziel ist klar: „Eine Medaille würde ich schon holen wollen.“

 

 

Rio 2016: Porträts der Redakteure

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