Paralympics Jury 2016 : Der Macher hinter den Spitzen-Prothesen

Der Chef der Medizintechnik-Firmengruppe "Ottobock", Hans Georg Näder, lebt und arbeitet für die paralympische Idee. Sein gesellschaftliches Engagement führt in in die ganze Welt.

Annette Kögel
Hans-Georg Näder, geschäftsführender Gesellschafter der Ottobock HealthCare GmbH.
Hans-Georg Näder, geschäftsführender Gesellschafter der Ottobock HealthCare GmbH.Foto: dpa

Wenn es einen Mann gibt, der in Deutschland schon ewig für die paralympische Idee lebt und arbeitet, dann ist das: Hans Georg Näder. Das liegt - jobtechnisch gesehen - daran, dass Näder Chef der Ottobock-Firmengruppe ist. Einst in Berlin als Familienbetrieb gegründet, hat Hans Georg Näder ihn zum weltweiten Marktführer-Konzern in der Medizintechnik mit mehr als 8000 Mitarbeitern in 55 Ländern und einem Umsatz von einer Milliarde Euro im Jahr 2015 entwickelt. Ottobock baut unter anderem die hochklassigsten Prothesen, Orthesen und Rollstühle der Welt.
Das wäre die eine Seite, das Business. Hans Georg Näder, den seine Freunde wie Peter Maffay auch kumpelhaft verkürzt HG oder HGN nennen, ist aber auch ein Mann mit großem Herzen und jeder Menge Leidenschaft. Er hat schon vor Jahrzehnten Menschen mit Behinderungen kennengelernt, für die er als cooler Kumpel alles tut. Denen errichtete er bei den Paralympischen Winterspielen 2006 in Sestriere/Turin einfach mal eine Open-Air-Bühne für die After-Sport-Party draußen im Schnee. Athleten fördert er als väterlicher Mentor, ermöglicht ihnen Hightech-Sportzubehör wie dem Leichtathleten Heinrich Popow. Mit ihnen jubelt und weint er, vor Ergriffenheit oder auch vor Freude.
Daher ehrte es den Tagesspiegel auch, als Hans Georg Näder der Anfrage nachkam, ob er nicht Lust habe, in der Jury der Paralympics Zeitung mitzuwirken. Das Tagesspiegel-Projekt, seine Initiatoren und auch den Chefredakteur hatte Näder schon in seinem großen Zeitzeugenbildband zur Paralympischen Bewegung anlässlich der Winterspiele in Sotschi 2014 gewürdigt. Die jungen Journalisten der Paralympics Zeitung hat Näder über all die Jahre oft persönlich getroffen, bei Interviews, bei Empfängen, in den Werkstätten während der Spiele.


Der Hauptsitz seines Weltkonzerns ist in Duderstadt im Harz, aber Näder ist auf der ganzen Welt zuhause. Und somit mehr auf Reisen als daheim – auch wegen seines gesellschaftlichen Engagements. Im Vorfeld der Paralympischen Spiele 2016 hat der geschäftsführende Gesellschafter der Ottobock-Firmengruppe gemeinsam mit der Schauspielerin Eva Hassmann, mit Peter Maffay und in Kooperation mit dem Tagesspiegel ein "Tabaluga-Haus" in Rio de Janeiro gegründet. Es gibt auch die firmenunabhängige Ottobock Stiftung zur Förderung interdisziplinärer Fortbildung, und vergangenes Jahr hat er die Ottobock Global Foundation gegründet. Dem Kuratorium der Stiftung gehören neben ihm als Kuratoriumsvorsitzenden unter anderem auch Prof. Axel Ekkernkamp vom Unfallkrankenhaus Berlin (UKB) in Marzahn an.
Berlin verschaffte er eines der architektonisch anspruchsvollsten Häuser am Potsdamer Platz, das Ottobock Science Center. In Prenzlauer Berg entwickelt er gemeinsam mit Stararchitekt David Chipperfield die ehemalige Bötzow-Brauerei zu einem einzigartigen Zentrum mit Showroom und Startups, mit Boutiquehotel und Swimminpool, mit Weinkeller und Galerie. Gerade ist Näder aus der CDU aus- und in die FDP eingetreten, er soll dem Bundesparteichef Christian Lindner als wirtschaftspolitischer Berater zur Seite stehen. Dabei wird es sicher auch hin und wieder um die Bedeutung des Para-Sports für die Wirtschaft gehen.

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