Paralympics Rio 2016 : Nur keinen Korb kassieren

Letzte Härtetests geglückt: Die deutschen Rollstuhlbasketballerinnen gewannen gegen die Paralympics-Konkurrentinnen aus China alle drei Tests. In Rio müssen sie mit starker Konkurrenz rechnen.

David Hock
Die deutschen Rollstuhlbasketballerinnen haben sich gegen China vorbereitet auf Rio 2016. Dort wollen sie eine Medaille holen - doch die Konkurrenz ist hart.
Die deutschen Rollstuhlbasketballerinnen haben sich gegen China vorbereitet auf Rio 2016. Dort wollen sie eine Medaille holen -...Foto: MSSP

Coach Holger Glinicki spricht von einem „guten Omen“: Bereits vor den letzten Paralympischen Spielen 2012 testete sein Team zuletzt gegen die Chinesinnen. In England gewann man anschließend vor vier Jahren die Goldmedaille. Auch nun ist es das Ziel der Mannschaft, sich in Brasilien Edelmetall zu erkämpfen. „Dafür haben wir sehr viel investiert. Es ist alles drin – wir können genauso mit Medaille als auch auch ohne wieder nach Hause fliegen“, sagt Annika Zeyen. Als Rekordnationalspielerin hat sie in der Vergangenheit alles auf internationalem Parkett gewonnen. Das Turnier in Rio de Janeiro soll nach eigenen Angaben das letzte in ihrer aktiven Karriere sein.

Noch am Anfang ihrer sportlichen Laufbahn steht dagegen Laura Fürst. Die 25-Jährige freut sich mit zwei weiteren Spielerinnen auf ihr Debüt: „In London habe ich noch jedes Spiel am Fernseher verfolgt, nun bin ich selbst dabei. Irgendwie verrückt!“ Völlig unerfahren ist die Münchnerin auf internationaler Bühne aber auch nicht mehr, 2014 wurde sie bereits Vizeweltmeisterin und 2015 Europameisterin. „Paralympics sind aber einfach das Größte", meint die Studentin.

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Besonders ist die Vorfreude auch bei Kapitänin Marina Mohnen. Ihre dritte Paralympics-Teilnahme war nicht immer gewährleistet. Ein Ganglion - ähnlich einer Zyste - drückte direkt auf einen Nerv im Schulterblatt; sie musste nach der Europameisterschaft operiert werden. Danach folgten vier Monate Pause und ein behutsames Aufbautraining. Auf dem Feld ist die Spielerin wieder zu einem echten Rückhalt geworden. „Das hätte anders laufen können, so bin ich sehr zufrieden“, sagt Mohnen und strahlt.

In den Niederlanden besteht das Team aus Vollprofis

Auch der Cheftrainer der Damen, Holger Glinicki, ist zufrieden. Er sieht ein breit aufgestelltes Team vor sich, bei dem auch mal ein Ausfall kompensiert werden könne. Im Turnier zählt für den 63-Jährigen ohnehin vor allem das Kollektiv: „Wir sind eine Turniermannschaft und glänzen durch mannschaftliche Geschlossenheit.“

Die wird notwendig sein, um sich gegen deutlich professioneller arbeitende Mannschaften wie die Topfavoritinnen aus Holland oder die USA durchsetzen zu können. In den benachbarten Niederlanden zum Beispiel, besteht das Team aus zwölf Vollprofis, die über Monate hinweg zusammen trainieren und dabei kein Berufsleben mehr bewerkstelligen müssen. „Ich bin ja schon froh, wenn ich meine Spielerinnen mal für zwei Wochen habe“, erklärt Glinicki. Zumindest seit Mai war das Team viel unterwegs, hat bei internationalen Turnieren gegen alle großen Mannschaften getestet, nicht immer mit guten Leistungen.

 Nun aber schaut das ganze Team zuversichtlich nach vorne: Auftaktgegner Brasilien hat vermutlich ein starkes Publikum hinter sich, ein Sieg ist hier dennoch Pflicht. Danach wird es mit Großbritannien und Kanada erheblich schwieriger. Mit Argentinien treffen die Deutschen zum Ende der Gruppe wieder auf einen vermeintlich einfachen Gegner. Die anschließende K.o.-Phase ist ohnehin eine ganz besondere Sache. 

Rio 2016: Porträts der Redakteure

Porträts Wer berichtet für den Tagesspiegel von den Paralympics 2016 in Rio de Janeiro? Die Porträts der Redakteure finden Sie hier.

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