Vorbereitung auf die Paralympics in Rio : Testsprint für den richtigen Durchblick

Der Schweizer Sprinter Philipp Handler versucht sich schon vor den Paralympics in Rio einzuleben. Der Athlet leidet an einer angeborenen Sehschwäche und gewöhnt sich jetzt schon mal an das Land und die Rennstrecke.

David Hock
Foto: Martin Rhyner

Seit Stunden regnet es auf die blaue Tartanbahn des Estádio Nilton Santos in Rio de Janeiro. Das Wasser hat die Bahn geflutet, jetzt sieht die Rennstrecke rutschig aus. Nur das grelle Fluchtlicht verleiht dem Ort, an dem in gut drei Monaten Usain Bolt & Co. bei den Olympischen Spielen sprinten werden, ein wenig Glanz.

Unter den Athleten, die bei den Leichtathletik Test-Events für die Paralympics im September an den Start gegangen sind, befindet sich auch Philipp Handler. Er, 1,90-Meter groß, Typ Muskelpaket, trägt beim 100-Meter-Sprint eine schwarz getönte Brille. Keine Protestaktion gegen das miese Wetter. „Durch die Lichtempfindlichkeit bin ich tagsüber immer auf eine dunkle Sonnenbrille angewiesen.“, erklärt der Züricher. Durch einen Gendefekt, der im Alter von fünf Jahren festgestellt wurde, ist Handler komplett farbenblind, extrem lichtempfindlich und hat eine Sehschärfe von weniger als zehn Prozent. Umso wichtiger ist es für ihn, das Stadion, die Umgebung sowie das Land und die Leute vor den Paralympics im September schon einmal kennenzulernen. „Ich freue mich, hier zu sein. Im September ist es mir dann schon vertrauter.“ Mit der Entscheidung, bei dieser „Generalprobe“ dabei zu sein, ist Handler einer von nur zwei Schweizern, die nach Rio geflogen sind. „Wir haben viele Rollstuhlfahrer, die sich gegen eine Teilnahme entschieden haben. Für eine Disziplin war ihnen der Weg jetzt einfach zu weit.“

Mit dem zweiten Platz und seiner Zeit von 11,2 Sekunden ist er durchaus zufrieden, tags zuvor erreichte er sogar 11,11 Sekunden und damit persönliche Bestzeit. „Die Vorbereitung läuft bislang sehr gut. Die nächste wichtige Etappe ist nun die Europameisterschaft in Grosetto im Juni.“ Bei all dem bleiben die Paralympischen Spiele das große Ziel. Auch im September, beim 100-Meter-Showdown in Brasilien, wird Philipp Handler seine Sonnenbrille im September tragen. Vielleicht passt dann auch das Wetter dazu.

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