Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen : Der Polizist, der in Berlin kriminelle Ärzte jagt

Er gehört zu Berlins wichtigsten Ermittlern – wenn es um den finanziellen Schaden geht. Jörg Engelhard nimmt Ärzte ins Visier. Alle zwei Wochen rückt er zu einer Razzia aus. Unser Blendle-Tipp.

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Die Abrechnung. Kriminalhauptkommissar Jörg Engelhard weiß, dass er und seine Kollegen viele Tricks nicht beweisen können. Foto: Mike Wolff
Die Abrechnung. Kriminalhauptkommissar Jörg Engelhard weiß, dass er und seine Kollegen viele Tricks nicht beweisen können.Foto: Mike Wolff

Wenn Jörg Engelhard nach Beweisen sucht, eine Razzia vorbereitet, mit den Kollegen losfährt und bei den Verdächtigen klingelt, dann trifft er fast immer auf höfliche, gebildete Bürger.

Meist haben sie promoviert.

Die Verdächtigen tragen Hemden, Kostüme, edle Schuhe, teure Uhren. Sie sind überrascht, wütend, verängstigt, wenn Engelhard auftaucht. Mit einem Kriminalhauptkommissar hatten sie nie zu tun. Und doch ergaunern diese Verdächtigen höhere Summen als die meisten Drogendealer, Autoschieber, Schmuckdiebe.

Jörg Engelhard sitzt in seinem Büro in einer Außenstelle des Landeskriminalamtes am Kaiserdamm. Der Ermittler weiß, aber hört es nicht gerne: Volkswirtschaftlich betrachtet gehört er zu den wichtigsten Beamten der Hauptstadt.

Je nachdem, wen man schätzen lässt, versickern im Jahr bundesweit 20 bis 50 Milliarden Euro im deutschen Gesundheitswesen. Vermutlich wird nirgendwo mehr Geld durch Betrug, Korruption, Diebstahl und Untreue abgeschöpft – schon weil die Branche mit 350 Milliarden Euro Jahresumsatz die größte des Landes ist.

Bundesweit arbeiten in Kliniken, Praxen, Heimen, Pflegediensten und Apotheken, bei Gesundheitsämtern, Pharmafirmen und Krankenkassen 6,8 Millionen Männer und Frauen. Die allermeisten, davon geht auch Engelhard aus, sind ehrlich. Der Anteil krimineller Beschäftigter ist nicht höher als in anderen Branchen. „Doch ein einziger Arzt, ein einziger Apotheker, der es drauf anlegt“, sagt Engelhard, „kann riesige Summen abzweigen.“ Viel öfter als Polizisten anderer Dezernate trifft Engelhard übrigens auf verdächtige Frauen. Das Gesundheitswesen ist, anders als die Bau, - Auto- oder Sicherheitsgewerbe, eine weibliche Branche. Pflegedienste und Praxen werden oft von Frauen geleitet, 60 Prozent der Medizinstudierenden sind weiblich.

Engelhard gibt Medizinern mit hartnäckigen Standesallüren kaum Gelegenheit, auf ihn herabzublicken. Der Kommissar sieht aus, als lebe er auf einem englischen Jagdschloss. Halstuch, Weste, Tweedjacket. Privat spielt er Trompete und reitet. Fehlt nur die Fuchsjagd – die, bemerkt Engelhard trocken, in Deutschland ja verboten ist. Dafür nimmt er an Ausritten teil, bei denen Fuchsjagden nachgestellt werden. „Ja, ich habe da eine gewissen Affinität zu England“, sagt Engelhard. „Wollen Sie noch einen Tee?“ Auf der Insel macht er gern Urlaub, das Wetter dort stört ihn nicht, viel Sonne braucht er nicht.

Die bekommt er auch im Berliner Alltag selten zu sehen. Drogenfahnder observieren Dealer, Mordermittler inspizieren Tatorte, Engelhard sitzt in seinem Zimmer. Über Papieren mit Zahlen, manchmal blättert er in Fachbüchern, der „Atlas der Anatomie“ steht im Regal. Sein Büro, einst eine für Berliner Behörden typisch karge Kammer, hat Engelhard – privat bezahlt – mit schwerem Sessel, imposantem Schreibtisch und massiver Kommode ausgestattet. „Wer viel Zeit im Büro verbringt“, sagt er, „soll es auch nett haben.“ Die moosgrüne Tischlampe vervollständigt die Gemütlichkeit. Die Dienstwaffe hat Engelhard nur beim Pflichttraining auf dem Schießstand in der Hand.

Manchmal jedoch arbeitet auch Engelhard so, wie man das von Drogenfahndern kennt – und lässt Telefonate abhören. Vor ein paar Jahren war das nötig, als ein umtriebiger Sanitätshausbetreiber seine Bekannten darum bat, ihm ihre Versichertenkarten für ein bisschen Geld auszuleihen. Darunter waren Mitglieder einer arabischen Großfamilie ...

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